Jeder dritte Betrieb findet keinen Azubi

Weniger Schüler, dafür mehr Studenten - dieser Trend wird zunehmend zum Problem für Deutschlands Unternehmen. Im vergangenen Jahr suchte knapp jedes dritte Unternehmen ohne Erfolg nach Bewerbern. Im Osten ist bereits jedes zweite Unternehmen betroffen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). "Die Lage war für die Unternehmen noch nie so dramatisch wie jetzt.", sagte DIHK- Präsident Eric Schweitzer. Hochgerechnet hätten 14.000 Unternehmen gar keine Bewerbung für ihre Ausbildungsplätze erhalten - das entspreche einer Verdreifachung im Vergleich zu 2004. "Wenn wir das Fachkräfteproblem nicht lösen, haben wir das strategische Problem in unserer Volkswirtschaft überhaupt."

Ein Grund für die größer werdende Kluft ist der demografische Wandel. Im Vergleich zu 2006 ist ein Schülerjahrgang heute um rund 120 000 junge Menschen kleiner. Dazu kommt, dass immer mehr Schulabgänger lieber studieren wollen. Während sich 2015 sieben Prozent weniger um einen Ausbildungsplatz bewarben als noch vor zehn Jahren, studierten 40 Prozent mehr. So begann im vergangenen Jahr eine gute halbe Million ein Studium. "Fachkräftemangel wird in Zukunft immer öfter heißen, dass dual ausgebildete Fachkräfte fehlen.", so Schweitzer. Flüchtlinge würden die Lücke kurz- und mittelfristig nur schwer füllen können. Bevor sie eine Beschäftigung aufnehmen können, dauere es fünf bis sieben Jahre: "Integration braucht Zeit."

Aufgrund dieser Entwicklung haben 75 Prozent der Betriebe, die an der Umfrage teilgenommen haben, im vergangenen Jahr leistungsschwächere Jugendliche eingestellt. Außerdem werben sie verstärkt um Studienabbrecher, bieten mehr Qualifizierung, unbefristete Verträge und höhere
Löhne an. "Ein Mechatroniker verdient im Zweifel mehr als mancher Architekt", warb der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks für eine Lehre. Insgesamt beklagen 54 Prozent der Betriebe mangelnde Deutschkenntnisse bei ihren Auszubildenden, ähnlich viele sehen Defizite im Bereich Mathematik.

Die DIHK-Online-Unternehmensbefragung finden Sie hier.

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• Berufsbezogene Sprachförderung
• Fördermaßnahmen in der Ausbildung
• Ausbildung von Flüchtlingen

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