Inklusionspreis der deutschen Wirtschaft: Eine Tischlerei mit Stil

Heute ist europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Aus diesem Anlass möchte das KOFA auf ein kürzlich ausgezeichnetes Unternehmen aufmerksam machen. Preise für gute Personalarbeit gibt es viele – dieser hier ist  besonders breit aufgestellt:  Hinter dem Inklusionspreises der Wirtschaft stehen die Bundesagentur für Arbeit, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, die Charta der Vielfalt und das UnternehmensForum.

Die Tischlerei stilfabrik

In der Kategorie für Unternehmen unter 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde für das Jahr 2016 die Tischlerei stilfabrik ausgezeichnet. Die von Piet Hülsmann geführte Tischlerei beschäftigt 8 Menschen. Einer der Gesellen, Alexander, hat eine psychische Behinderung: das Asperger Syndrom. Menschen mit Asperger Syndrom nehmen menschliche Emotionen anders wahr und teilen ihre Emotionen gegenüber Dritten manchmal auf ungewohnte Weise mit. Ihre Art zu fühlen ist zwar anders aber keineswegs "falsch": Menschen mit Asperger Syndrom können mit Verständnis und Offenheit in ein Team integriert werden.

Der Geschäftsleiter der stilfabrik betont, wie schwierig es gerade in der Handwerksbranche ist, neue und zuverlässige Arbeitskräfte zu finden. Mit Hilfe der IHK sei er dann an den besagten Gesellen gekommen und dachte sich: warum dem Ganzen nicht eine Chance geben? Also hat er den Gesellen Alexander als Praktikanten eingestellt – und ihn aufgrund seiner überdurchschnittlich guten Leistungen danach fest angestellt. Zwar könne Alexander aufgrund seiner Behinderung nicht bei außendienstlichen Kundengesprächen eingesetzt werden, dafür jedoch sei er umso talentierter an der Werkbank. Sind die Schwächen eines Mitarbeiters erkannt, so können diese, sagt Hülsmann, mit ein bisschen Organisationsgeschick selbst in einem Kleinstbetrieb leicht umgangen und seine Stärken bewusst genutzt werden. Und diese Stärken hat der Geselle mit seinem Hang zur Präzision und Perfektion - auch bei Vorgängen mit Routinecharakter.

Beratende und finanzielle Hilfe

Neue Wege zu gehen erfordert Mut – und einen Plan. Damit die Inklusion von Menschen mit Behinderung auch in kleinen Unternehmen reibungslos funktioniert, leistet der Informationsfachdienst der Handwerkskammer informelle Unterstützung bei dem Eingliederungsprozess. Darüber hinaus unterstützt die Bundesagentur für Arbeit inklusionsbemühte Betriebe mit finanziellen Mitteln. Piet Hülsmann ist überrascht von der umfassenden Unterstützungsleistung der Kammern und Agenturen – und nicht minder von der Leistung seines neuen Mitarbeiters. Diese hat ihn so beeindruckt, dass er andere Unternehmen und Betriebe dazu  ermutigt, den Schritt zur Inklusion zu wagen und selbst einen weiteren Gesellen eingestellt hat: ebenfalls mit Behinderung.

Möchten auch Sie junge Menschen mit Behinderung in Ihrem Unternehmen ausbilden? Mehr dazu erfahren Sie in unserer Handlungsempfehlung Ausbildung von Menschen mit Behinderung.

Weiterführende Informationen zum Thema Inklusion finden Sie in unserem Themenschwerpunkt.

Weitere Informationen zum Inklusionspreis und den Preisträger 2016 finden Sie auf: www.inklusionspreis.de.

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