Bildungsstand syrischer Flüchtlinge

Über syrische Flüchtlinge kursieren in den Medien und Sozialen Netzwerken viele Gerüchte: Die meisten seien Analphabeten und kaum ausgebildet. Diese Behauptungen werden in dem vorliegenden IW-Kurzbericht überprüft. Da noch keine repräsentativen Daten über die Qualifikationen der Flüchtlinge in Deutschland existieren, gibt ein Blick auf die Bildungsstruktur in Syrien vor dem Krieg gute Anhaltspunkte. Bereits seit 2011 befasst sich das IW Köln (Institut der deutschen Wirtschaft Köln) im Rahmen des vom BMWi finanzierten Projektes BQ-Portal mit dem syrischen Bildungssystem.

Die Überprüfung der fünf kursierenden Gerüchte zeigt, dass viele Annahmen über die Bildung in Syrien nicht oder nur teilweise der Realität entsprechen:

Aussage 1: Zwei Drittel der Syrer sind (funktionale) Analphabeten

Zwar liegen syrische Schüler im mathematischen Bereich deutlich unter dem Niveau deutscher Schüler, über die Lese- und Schreibkompetenzen gibt es aber keine gesicherten Informationen. So lässt sich über die funktionale Analphabetenquote keine Aussage treffen – die allgemeine Analphabetenrate ist allerdings vergleichsweise gering.

Aussage 2: Die Schulbildung in Syrien hat ein niedriges Niveau

Die syrischen Schulabschlüsse werden von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen verhältnismäßig hoch eingestuft.

Aussage 3: In Syrien gibt es keine geregelte Berufsausbildung

Es gibt eine geregelte Berufsausbildung in Syrien, die vor dem Krieg immerhin von rund 15 Prozent eines Jahrgangs besucht wurde. Zudem spielt auch die informelle betriebliche Berufsausbildung eine große Rolle bei der Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt.

Aussage 4: Viele Syrer mit Hochschulabschluss sind Ärzte oder Zahnärzte

Tatsächlich wurden in Syrien vor dem Krieg sehr viele Ärzte und Zahnärzte ausgebildet. Entsprechend hoch ist ihr Anteil auch unter den anerkannten ausländischen Berufsabschlüssen in Deutschland. Die Zugangsvoraussetzungen, um in Syrien Zahnmedizin studieren zu können, sind formal nicht niedriger als in europäischen Ländern.

Aussage 5: Frauen haben in Syrien geringere Bildungschancen als Männer

Die Bildungsbeteiligung von Frauen ist in Syrien über alle Bildungsgänge hinweg genauso hoch wie die der Männer, jedoch sind Frauen zu einem geringeren Anteil im offiziellen Arbeitsmarkt erwerbstätig.


Weitere Informationen finden Sie im IW-Kurzbericht „Bildungsstand syrischer Flüchtlinge - 5 Gerüchte auf dem Prüfstand“

Wie sie berufliche Qualifikationen von Geflüchteten besser einschätzen können, erfahren Sie im BQ-Portal (Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen).

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