Bewerbungserfolg

Für Deutschlands Arbeitgeber und Arbeitnehmer rangiert informelles Lernen deutlich vor formaler und non-formaler Bildung. Im Job gesammelte Praxiserfahrungen werden höher eingeschätzt als Schul-, Ausbildungs- und Unizeugnisse oder Weiterbildungen. Das zeigt eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung.

In der Studie „Können belegen können – Lernwege, Kompetenzen und Zertifikate aus Sicht von Arbeitgebern und Arbeitnehmern“ wurde im Auftrag der Bertelsmann Stiftung untersucht, welche Bewerbungskriterien Arbeitgeber und Personalverantwortliche auf der einen Seite und Arbeitnehmer auf der anderen Seite als wichtig für den Bewerbungserfolg erachten. Informelles Lernen lässt danach in seiner Bedeutung für den Erfolg im Beruf die formale und non-formale Bildung deutlich hinter sich. Informelles Lernen ist aber häufig unsichtbar, denn es wird nicht zertifiziert – hierfür braucht es laut Studie neue, offiziell anerkannte Zeugnisse. 78 Prozent der Personalverantwortlichen in Firmen stufen das Lernen durch Berufserfahrung als sehr wichtig oder wichtig für den Erfolg im Job ein.

Dass bei der Beurteilung von Bewerbungskompetenzen die Meinungen von Arbeitgeber (AG) und Arbeitnehmer (AN) auseinander gehen, dürfte nicht sonderlich überraschen. Spannend jedoch sind die neu gewonnenen Erkenntnisse, die genau aufzeigen, in welchen Kompetenzbereichen sich die vorherrschenden Meinungen am deutlichsten unterscheiden.

Auffällig ist, dass 94 Prozent der Arbeitgeber die Probezeit als für „wichtig“ bis „sehr wichtig“ erachten. Eine ebenso hohe Bedeutsamkeit räumen lediglich 69 Prozent der Arbeitnehmer der Probezeit ein. Somit ist die Probezeit die Rubrik, in der die Einschätzungen am weitesten auseinander gehen. Nahezu deckungsgleich fällt dagegen mit 45 Prozent (AG) bzw. 44 Prozent (AN) die Bewertung der Arbeitsproben aus.

Weiter lassen die Erkenntnisse der Studie erkennen, dass die Arbeitnehmer Bewerbungsunterlagen, Arbeitszeugnisse, Weiterbildungszertifikate und Referenzen als weniger wichtig einstufen als die Arbeitgeber dies tun und diese Kompetenz-Nachweise somit in ihrer Bedeutsamkeit für die Auswahl des „richtigen Bewerbungskandidaten“ kontinuierlich unterschätzen.

Somit kann folgende Schlussfolgerung gezogen werden: während der Arbeitgeber am meisten Wert auf „harte Fakten“ wie Arbeitsleistung in der Probezeit sowie auf Zeugnisse und Zertifikate legt, konzentriert sich der Arbeitnehmer eher auf die zwischenmenschliche Komponente im Bewerbungsgespräch.

Die gesamt Studie finden Sie hier.

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