Qualifizierung von An- und Ungelernten

An- und Ungelernte spielen im Wertschöpfungsprozess vieler Unternehmen eine wichtige Rolle. Durch Personalentwicklungsmaßnahmen wie Fort- und Weiterbildungen können sie  auch anspruchsvolle Tätigkeiten übernehmen. An- und Ungelernte stellen daher eine ernstzunehmende Reserve dar, um die größer werdende Fachkräftelücke zu schließen. Wie Sie vorgehen können, finden Sie ausführlich in der gleichnamigen Handlungsempfehlung "Qualifizierung von An- und Ungelernten".

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Bedarfsanalyse

Qualifizierung An- und Ungelernter gegen drohenden Fachkräftemangel
Prüfen Sie zunächst Ihren aktuellen oder vorhersehbaren Personalbedarf. Wie wird sich Ihr Unternehmen voraussichtlich in der nächsten Zeit am Markt entwickeln? Welche Rahmenbedingungen sind zu berücksichtigen und welcher Personalbedarf ergibt sich daraus?. Instrumente für diese Analysen sind beschrieben in den Handlungsempfehlungen UmfeldanalyseUnternehmensstrukturanalyse und vor allem Personalbedarfsplanung.

Ergibt sich daraus der Bedarf nach bestimmten Kompetenzen stellt sich die Frage: Wer könnte aus der vorhandenen Belegschaft heraus entsprechend qualifiziert werden?

Mögliche Kriterien für die Auswahl geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten sind

  • Hat jemand aus der Belegschaft bereits von sich aus den Wunsch nach einer Qualifizierung geäußert?
  • Ist die Person grundsätzlich geeignet, eine Facharbeitertätigkeit auszuführen oder zumindest Teile davon?
  • Soll die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter an das Unternehmen gebunden werden und möchte sie oder er längerfristig im Unternehmen bleiben?
  • Ist die Person motiviert, sich über einen längeren Zeitraum weiterzubilden?
  • Können Sie der Person nach der Qualifizierung eine entsprechende Tätigkeit anbieten

Haben Sie jemanden ausgewählt, sollten Sie mit der betreffenden Person persönlich klären, wie die Qualifizierung erfolgen könnte. Ein sehr gut geeigneter Weg dazu sind Mitarbeitergespräche. Hier können Sie u. a. folgende Fragen klären:

  • Wie kann die Erledigung ihrer bisherigen Aufgaben während der Weiterbildung sichergestellt werden? Wie kann sie während der Maßnahme ihren Lebensunterhalt sichern?
  • Wie ist die Qualifizierung zu finanzieren? Kann die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter selber etwas beitragen, beispielsweise indem sie oder er Freizeit einbringt?

Qualifizierungsformen

Passende Qualifizierungformen für jeden Bedarf
Sie können zwischen vielen unterschiedlichen Qualifizierungsmaßnahmen und -formen wählen. Suchen Sie die Qualifizierung im Hinblick auf die Fertigkeiten und Fähigkeiten aus, welche die ausgewählten An- und Ungelernten bereits mitbringen. Vier typische Formen der Qualifizierung sind:

Aufgabenspezifische Schulungen
Die oder der An- und Ungelernte soll eine bestimmte einzelne Kompetenz erwerben, beispielsweise mit einem speziellen Computerprogramm umgehen können. Oder es geht darum, eine Berechtigung wie zum Beispiel einen Gabelstaplerführerschein zu erwerben. In diesem Fällen reicht eine entsprechende Schulung, die in der Regel kurzfristig umzusetzen ist.

Berufliche Nachqualifizierung
Ziel dieser Maßnahme ist es, einen Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf zu erwerben. Entsprechend orientieren sich die Inhalte und die Dauer an der jeweiligen Ausbildungsordnung. Ebenso wie bei der klassischen dualen Ausbildung werden Praxis und Theorie verbunden, daher sollten Sie auch Ihren älteren An- und Ungelernten in solchen Maßnahmen den Besuch der Berufsschule ans Herz legen. Die Nachqualifizierung mündet in der Abschluss- oder Gesellenprüfung vor der zuständigen Kammer. Nähere Informationen dazu finden Sie auf der Website Perspektive Berufsabschluss.

Direkter Weg zur Externenprüfung
Besonders leistungsstarke und erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können den direkten Weg zu einer Externenprüfung bei der zuständigen Kammer wählen. Beispielsweise können Personen, die eine Berufsausbildung abgebrochen haben oder über eine längere Berufserfahrung verfügen, zu einer Externenprüfung zugelassen werden.

Informationen dazu finden Sie in den Datenbanken der Bundesagentur für Arbeit oder des Deutschen Bildungsservers.

Betriebliche Umschulung
Umschulungen sind dann gute Möglichkeiten für eine qualifizierte Beschäftigung, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter einen erlernten Beruf aufgrund von Einschränkungen, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen, nicht mehr ausüben kann. Sie ist auch dann ein guter Weg, wenn im Ausland erbrachte Leistungen oder Abschlüsse nicht anerkannt werden. Die gesetzlichen Grundlagen sind in Kapitel 3 des Berufsbildungsgesetzes geregelt (§§ 58 ff. BBiG). Eine Förderung der Umschulungsmaßnahmen durch die Bundesagentur für Arbeit ist gegebenenfalls möglich.
Für die Umschulung durchlaufen die betreffenden Personen eine verkürzte (duale) Berufsausbildung, die mit einer Prüfung vor der zuständigen Kammer endet. Meistens wird die Ausbildungszeit um ein Drittel gekürzt. Da die Umschülerinnen und Umschüler normalerweise ihre Schulpflicht erfüllt haben, brauchen sie keine Berufsschule zu besuchen, es kann jedoch förderlich sein. Informationen zur Berufsschulpflicht in den verschiedenen Bundesländern finden Sie auf der Website des Bundesverband Druck und Medien.

In einem Umschulungsvertrag zwischen Ihnen und der Mitarbeiterin bzw. dem Mitarbeiter sollten Sie die Absprachen festhalten, beispielsweise ob und in welcher Höhe während der Maßnahme eine Vergütung gezahlt wird. Einen Mustervertrag und weitere Informationen stellt die IHK Bonn zur Verfügung.

Weiterbildungspartner finden
Anbieter für derartige Weiterbildungen finden Sie in Ihrer Region mit Hilfe der Kammern, der Bundesagentur für Arbeit oder Ihrer Berufsverbände. Die jeweiligen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner bieten Ihnen Sie sowie auch den Beschäftigten Beratung zum Weiterbildungsbedarf an. Im Internet können Sie über die Datenbanken der Bundesagentur für Arbeit oder des Deutschen Bildungsservers nach Anbietern recherchieren. Bei der Auswahl von Anbietern sollten Sie darauf achten, dass Erfahrungen mit der Schulung An- und Ungelernter vorliegen, und die Inhalte und Prüfungen entsprechend stärker auf praktische Tätigkeiten als auf Theorie ausgerichtet sind.

Unterstützungsangebote

Unterstützung während der Qualifizierung – ein Schlüssel für den Erfolg
Für die meisten An- und Ungelernten spielt es eine Rolle, wie sich die Qualifizierungsmaßnahme mit ihren Lebensumständen vereinbaren lässt. Das betrifft sowohl die finanzielle als auch die zeitliche Seite. Doch Sie können Ihre Beschäftigten während der Qualifizierungsmaßnahme  vielfältig unterstützen:

  • Arbeitszeit und Qualifizierung vereinbaren: Findet die Qualifizierung berufsbegleitend statt, können Sie Vereinbarungen zur Flexibilisierung der Arbeitszeit treffen: Stellen Sie für Präsenzphasen oder Prüfungen Ihre Beschäftigten frei, eventuell sogar für ein paar Tage zur Prüfungsvorbereitung. Wenn es in Ihrem Unternehmen Arbeitszeitkonten gibt, könnten Sie den betreffenden Beschäftigten auch größere Freiheiten in diesem Rahmen ermöglichen. Auch Teleheimarbeit kann eine Alternative sein. Welche Maßnahmen hier sinnvoll sein können, erfahren Sie in der Handlungsempfehlung "Flexible Arbeitszeitmodelle".
  • Familie und Qualifizierung vereinbaren: Um auch den Familiengebundenen eine Qualifizierung zu ermöglichen, können Sie Angebote unterbreiten, die bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf helfen: Flexibilisierung ist ein wichtiger Baustein, aber vielleicht wird auch weitere Unterstützung wie bei zusätzlichen Betreuungsstunden für Kinder benötigt. Welche Maßnahmen Sie anbieten können, zeigt die Handlungsempfehlung "Vereinbarkeit von Beruf und Familie".
  • Persönliche Begleitung: Sie sollten den Beschäftigten während einer Qualifizierungsmaßnahme möglichst eine feste Ansprechperson zur Seite stellen, an die sich die Beschäftigen mit fachlichen wie auch persönlichen Probleme wenden können. Diese Ansprechperson sollte auch regelmäßig Gespräche über den Lernfortschritt führen.
  • Finanzierung der Qualifizierung und des Lebensunterhalts: Wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter während der Qualilfizierungsmaßnahme nicht im gewohnten Umfang arbeiten kann, stellt sich schnell die Frage nach der Finanzierung des Lebensunterhalts. Die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer kann unter Umständen eine Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit oder andere Stellen erhalten, wenn die Qualifizierung ihr oder ihm auf dem Arbeitsmarkt Vorteile bringt. Mehr dazu erfahren Sie bei der Bundesagentur für Arbeit.
    Zugleich wäre es aus der Sicht Ihres Unternehmens wahrscheinlich wünschenswert, die- oder denjenigen an den Kosten der Qualifizierung zu beteiligen. Diese Beteiligung kann in der eingebrachten Zeit (Urlaubstage) oder auch in Geld bestehen. Auch kann eine Rückzahlungsklausel vereinbart werden, die greift, wenn die Qualifizierung abgebrochen wird oder die neue Fachkraft bald nach dem Abschluss das Unternehmen verlässt. Die IHK Siegen hat in einem Merkblatt zusammengestellt, worauf zu achten ist. Auch hier gilt, dass die Qualifizierung einen Wert auf dem Arbeitsmarkt haben muss, eine rein auf das Unternehmen bezogene Weiterbildung ist ausgeschlossen.
  • Sprachkenntnisse verbessern: An- und Ungelernte mit Migrationshintergrund, die ihren Berufsabschluss in ihrem Heimatland erworben haben, benötigen möglicherweise bessere Sprachkenntnisse, um eine Nachqualifizierung absolvieren zu können. Auch ist es in einigen Fällen erforderlich, für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse entsprechende Deutschkenntnisse nachzuweisen. Genauer informiert darüber das Informationsportal für ausländische Berufsabschlüsse.
    Anbieter für Sprachkurse sind hier einerseits die Volkshochschulen mit ihren Kursen „Deutsch als Fremdsprache“. Für berufsbezogenen Deutschunterricht sind die Bundesagentur für Arbeit, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge oder das IQ-Netzwerk erste Ansprechpartner.

Weiterführende Informationen

Links

  • Good Practice Center des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB):Die Website bietet aktuelle Berichte, Hintergrundinformationen und Handlungsanleitungen zum Thema „Förderung von Benachteiligten in der beruflichen Bildung“ sowie zahlreiche Beispiele für die gelungene Integration und Qualifizierung von An- und Ungelernten aus der betrieblichen Praxis. Weiterhin können Sie in einer umfangreichen Datenbank nach lokalen Anbietern von beruflichen Nachqualifizierungsmaßnahmen recherchieren (zur Webseite).
  • Perspektive Berufsabschluss: Die Homepage des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „Perspektive Berufsabschluss“ informiert über bestehende Förderprogramme und Initiativen für An- und Ungelernte. Im Mittelpunkt des inhaltlichen Angebots stehen Angebote zur Nachqualifizierung und Hilfen beim Übergang von der Schule in den Beruf (zur Webseite).
  • Personet: Auf den Seiten des Online-Kompendiums perso-net finden Sie Informationen dazu, wie Sie konkret bei der Qualifizierung an- und ungelernter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorgehen bzw. wie Sie diese organisieren können (zur Webseite).

Literatur

  • Braun, U. et al. (2012): Erwerbstätigkeit ohne Berufsabschluss – Welche Wege stehen offen?, BiBB-Report, Heft 17, Jan. 2012 (zum PDF)

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