Ausbildung von Menschen mit Behinderung

Junge Talente mit Behinderung

Eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung zeigt: Unternehmen, die bereits  Menschen mit Behinderung im Team haben, stellen häufiger einen Auszubildenden mit Behinderung ein.

Doch von heute auf morgen in die Ausbildung von Menschen mit Behinderung einzusteigen ist leicht gesagt: Schnell tauchen Begriffe wie Barrierefreiheit auf, sollen Ansprechpartner wie das Integrationsamt kontaktiert werden. Eine erfolgreiche Ausbildung von Menschen mit Behinderung muss wie jede Ausbildung vorbereitet und gestaltet werden. Wir zeigen Ihnen, was Sie dabei beachten sollten.

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Inklusion in der Ausbildung

Ein erfolgreicher Ausbildungsprozess beginnt bei der Rekrutierung und endet mit der Übernahme Ihrer Fachkraft. Das ist bei Menschen mit Behinderung nicht anders – doch es gibt Besonderheiten. Wie Sie die Zusammenarbeit mit  Ihrer bzw. Ihrem Auszubildenden gut gestalten können, zeigen wir Ihnen hier im Überblick – und ausführlich in der KOFA-Handlungsempfehlung „Ausbildung von Menschen mit Behinderung“, die Sie oben auf dieser Seite kostenlos herunterladen können.

Überblick: Menschen mit Behinderung

Jeder Mensch mit (und ohne) Behinderung ist anders. Ein junger Mensch mit einer Hörbehinderung hat andere Herausforderungen an seinem Arbeitsplatz als ein Mensch mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche. Und doch haben alle eins gemeinsam: Die gleichen Rechte. Unsere Gesellschaft unterstützt Menschen mit Behinderung dabei diese wahrzunehmen. Im Arbeitsleben bedeutet das: Sie als Arbeitgeber und Ihre Auszubildenden mit Behinderung können vielfältige Unterstützung erhalten. Unterstützung, die auf die Herausforderungen der oder des Einzelnen zugeschnitten ist.

Rekrutierungswege

Ausbildungsinteressierte mit Behinderung können Sie über viele Wege ansprechen. Die Kontakte des eigenen Teams sind hier eine wichtige Quelle: Vielleicht kennen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Jugendliche mit Behinderung im Verwandten- und Freundeskreis, in Sportvereinen oder über Elternvereine. Oder Sie gehen auf eine Schule zu, stellen dort Ihr Unternehmen vor und gehen eine Partnerschaft ein: An den örtlichen Förderschulen für Jugendliche bis zu den Berufsbildungswerken für junge Erwachsene werden sie schnell auf Interesse stoßen. Ist eine Ausbildung dann erst mal erfolgreich gelaufen, begünstigt das die weitere Rekrutierung: Denn Ihr Engagement als Arbeitgeber wird sich unter Jugendlichen mit Behinderung und Ihren Eltern herumsprechen.

Kompetenzen einschätzen

Bei jungen Menschen mit Behinderung ist es im Vorstellungsgespräch oft nicht so einfach einzuschätzen, was die oder derjenige schon kann: Etwa wenn das Zeugnis einer Förderschule für Sie ungewohnt ist. Oder eben auch, wenn ein Mensch zwar schon einige Arbeitserfahrung mit sich bringt, aber bisher nur in einer geschützten Umgebung mit Betreuung gearbeitet hat. Umso wichtiger sind Praktika – denn nach den ersten Tagen und Wochen wissen beide Seiten häufig schon ganz genau, ob es menschlich und fachlich passt. Praktika dienen dabei nicht nur dem Test der praktischen Fähigkeiten, oft können Sie so auch schnell einschätzen, ob der Bewerber oder die Bewerberin die notwendige Allgemeinbildung mitbringt.

Fördermaßnahmen

Von Anfang an kann dabei die richtige Unterstützung helfen. Haben Sie ein offenes Ohr, wenn Herausforderungen auftreten, dann werden daraus keine Probleme. Suchen Sie für eine Erstberatung den Rat Ihrer örtlichen Kammer oder der Arbeitsagentur, was bei Ihnen vor Ort alles möglich ist. Vielleicht haben Sie auch einen Unternehmerin oder eine Unternehmerin im Bekanntenkreis, die schon Erfahrungen gemacht hat.

Und für fast jede Herausforderung gibt es dann auch eine Lösung: Wenn bei der Arbeit etwas anders vorgegangen werden muss, kann mit technischen Hilfsmitteln oft viel erreicht werden. Wenn das Lernen in einzelnen Bereichen schwieriger ist, gibt es umfangreiche Nachhilfeangebote. Und wenn Sie sich als Ausbilder zu Beginn noch etwas unsicher fühlen, können Sie Expertinnen und Experten um Rat fragen: Und das alles in der Regel für Sie kostenneutral!

Fachkräfte mit Behinderung

Auch Investitionen in die Qualität der Ausbildung können sich lohnen: Von einer strukturierten Einarbeitung über regelmäßiges Feedback bis hin zur schrittweise Übertragung von Verantwortung in der Ausbildung. Kein Schritt ist für eine Ausbildung von Menschen mit Behinderung zwangsweise von Nöten, aber mit jedem Schritt können Sie gezielter auf einzelne Auszubildende eingehen. Und die werden Ihnen Ihr Engagement danken: So wird aus dem Auszubildenden mit Behinderung von heute eine loyale Fachkraft.

Und vergessen Sie nicht Ihr Talent im Falle einer Schwerbehinderung bei der jährlichen Berechnung der Ausgleichsabgabe zu berücksichtigen. So sparen Sie mit jeder Einstellung bares Geld.

Als Unternehmen können Sie heute mit einer Entscheidung für eine Ausbildung von Menschen mit Behinderung Ihr Unternehmen in der Personalauswahl breiter aufstellen. Das kann in Zeiten von Fachkräfteengpässen mittelfristig ein Wettbewerbsvorteil sein. Dafür müssen Sie Zeit investieren, teils neues Fachwissen erwerben und auf den einzelnen Menschen eingehen. Das ist nicht viel anderes als das, was jede gute Ausbilderin und jeder gute Ausbilder bereits heute schon macht. Die Herausforderungen in der Ausbildung von Menschen sind daher vorhanden und die notwendigen Schritte können je nach Mensch ganz anders aussehen: Sie liegen aber in Ihrer Hand.

Weiterführende Informationen

Überblick über die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung
KOFA-Dossier „Inklusion“

Ansprechpartner

Integrationsämter und Integrationsfachdienste
Sei es bei Maßnahmen zur Umsetzung eines barrierefreien Arbeitsplatzes oder bei der Bereitstellung von Zuschüssen zu den Prüfungsgebühren – das Integrationsamt ist zuständig. Sowohl Ihr Auszubildender als auch Sie als Arbeitgeber können sich kostenlos an das Integrationsamt wenden. Zuständig für die konkrete Umsetzung sind in vielen Fällen die Integrationsfachdienste. Sie klären, welche Leistungen und Unterstützungen in Anspruch genommen werden können. Ihre regionalen Integrationsämter und Integrationsfachdienste finden Sie auf der Homepage der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter (zur Webseite).

Agentur für Arbeit
Auch die örtliche Agentur für Arbeit kann Ihnen bei der Ausbildung von Menschen mit Behinderung helfen. Einerseits ist sie für Regelleistungen zuständig, wie etwa die Bewilligung von ausbildungsbegleitenden Hilfen, die für Auszubildende mit und ohne Behinderung hilfreich sind. Zudem ist sie auch für die Leistungen zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben verantwortlich. Dafür stehen spezielle Vermittlungsteams für Menschen mit Behinderung zur Verfügung.

Berufsbildungswerke
Gerade, wenn Sie zum ersten Mal Menschen mit Behinderung ausbilden möchten, kann eine Kooperation mit einem Berufsbildungswerk vor Ort der richtige Weg sein. Mehr Informationen zu den verschiedenen Möglichkeiten und Ihr nächstes Berufsbildungswerk finden Sie auf der Webseite der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (zur Webseite).

Fördermaßnahmen für Menschen mit Behinderung und für Unternehmen
Über eine interaktive Maske gelangen Sie auf talentplus in vier Schritten zu einer Übersicht aller Fördermöglichkeiten, die sich für Ihre zu besetzende Stelle in Ihrem Bundesland ergeben (zur Webseite). In acht Bundesländern – von Bayern bis NRW – können Unternehmen kostenlose rechtliche Beratung von Expertinnen und Experten in der Ausbildung von Menschen mit Behinderung erhalten. Mit wenigen Klicks sind Sie beim passenden Ansprechpartner! (zur Webseite)

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