An- und Ungelernte weiterbilden

Die Weiterbildung von An- und Ungelernten spielt bei der Fachkräftesicherung eine große Rolle. Gerade aufgrund des technischen Fortschritts sollten Sie als Unternehmen in die Qualifizierung Ihrer Belegschaft investieren. Dabei gibt es vielfältige Möglichkeiten, insbesondere auch solche, die zu einem Berufsabschluss führen können. Es ist ebenfalls möglich, eine Förderung für die Weiterbildung zu erhalten. Wie Sie vorgehen können, lesen Sie ausführlich in der gleichnamigen Handlungsempfehlung

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Bedarfsanalyse

Rechtzeitige Planung schützt vor Fachkräftemangel

Prüfen Sie zunächst Ihren aktuellen und vorhersehbaren Personalbedarf. Wie wird sich Ihr Unternehmen voraussichtlich in der nächsten Zeit am Markt entwickeln? Werden Sie neue Geschäftsfelder erschließen oder bestehende ausbauen können? Können Sie dies mit den bestehenden Produktionsmitteln und Personal stemmen? Wo herrscht ein Bedarf an zusätzlichen Personal oder zusätzlichen Kompetenzen bei Ihrer Belegschaft?

Bei der Personalbedarfsanalyse können Ihnen auch die Handlungsempfehlungen zur internen Unternehmensanalyse sowie zur Personalbedarfsplanung behilflich sein.

Mitarbeiterauswahl - Mit Strategie die Richtigen finden

So können Sie bei der Auswahl der Kandidaten vorgehen:

  • Holen Sie zuerst Mitarbeiter mit Eigeninteresse ab, weil bei ihnen die Motivation für die Weiterbildung häufig größer ist.
  • Verbreiten Sie ein offenes Angebot für die Weiterbildung auf verschiedenen Wege, z. B. im Intranet, per E-Mail, bei der Mitarbeiterversammlung oder als Aushang am "schwarzen Brett"
  • Sie sollten die Qualifizierungswünsche Ihrer Mitarbeiter berücksichtigen und die persönlichen Voraussetzungen des Kandidaten prüfen. Dabei können Ihnen relevante Akteure wie Vorgesetzte und der Betriebsrat helfen.
  • Es ist hilfreich, innerbetriebliche Chancen, wie Aufstiegsmöglichkeiten, aufzuzeigen. Zudem sollten Sie im Vorfeld Herausforderungen innerhalb des Lernprozesses offen ansprechen und Unterstützung anbieten. Um diese Fragen diskutieren zu können, braucht es gegenseitiges Vertrauen. Nähere Informationen zur Planung und Durchführung eines Mitarbeitergesprächs finden Sie in der Handlungsempfehlung "Mitarbeitergespräche".

Weiterbildungsformen

Die passende Weiterbildung für jeden Bedarf

Sie können zwischen vielen unterschiedlichen Weiterbildungsmaßnahmen und -formen wählen. Suchen Sie die Qualifizierung im Hinblick auf die Fertigkeiten und Fähigkeiten aus, welche die ausgewählten An- und Ungelernten bereits mitbringen. Vier typische Formen der Qualifizierung sind:

1. Aufgabenspezifische Schulungen

In manchen Fällen kann es bereits ausreichen, Ihre an- und ungelernten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch eine Schulung für einen spezifischen Aufgabenbereich zu qualifizieren. Dies ist in der Regel auch relativ kurzfristig möglich. Diese Maßnahmen dienen dem Erwerb einzelner Kompetenzen wie dem Umgang mit speziellen Computerprogrammen oder dem Erhalt zusätzlicher Berechtigungen, z. B. durch den Erwerb eines Gabelstaplerführerscheins.

Aufgabenspezifische Schulungen im Kurzüberblick
Leistungsniveau

auch geeignet für An- und Ungelernte mit Lernschwierigkeiten oder noch geringere Berufserfahrung

Anforderung an die zukünftige Tätigkeit

ausgewählte Kompetenzen und Fähigkeiten für eine bestimmte Aufgabe

Aufwand / Kosten / Risiken
  • geringer zeitlicher Aufwand da aufgabenspezifische Schulungen meist relativ kurz sind
  • in der Regel relativ geringe Kosten

2. Teilqualifikation

Benötigen Sie Fachkräfte, die Sie für spezifische Aufgaben innerhalb eines Berufsbildes flexibel einsetzen möchten, ist eine Teilqualifikation ein guter Ansatz. Eine Teilqualifikation teilt die Aufgabenfelder eines Ausbildungsberufs in einzelne Module auf. Diese dauern ungefähr sechs Monate. Teilnehmende können bei erfolgreicher Abschlussprüfung ein Zertifikat erhalten. Die Module können berufsbegleitend absolviert werden. Werden alle Module erfolgreich absolviert, kann bei der zuständigen Kammer die Gesellenprüfung beantragt und bei Erfolg ein regulärer Ausbildungsabschluss erworben werden.

Teilqualifikationen im Kurzüberblick
Leistungsniveau

entspricht je nach Anzahl der absolvierten Teilqualifikation in etwa dem einer Ausbildung

Anforderung an die zukünftige Tätigkeit

abgeschlossene Berufsausbildung

Aufwand / Kosten / Risiken
  • mittel- bis langfristige Investition
  • Module sind mit Kosten verbunden; außerdem diverse Freistellungskosten, Prüfungsgebühren u.a.
  • Im Rahmen verschiedener Initiativen können Kosten erstattet und ggf. weitere Unterstützung in Anspruch genommen werden

3. Berufsabschluss mit Externenprüfung

Für berufserfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besteht die Möglichkeit, direkt an der sogenannten Externenprüfung bei der zuständigen Kammer oder Innung teilzunehmen. Das bedeutet, dass eine Kandidatin oder ein Kandidat an der Abschlussprüfung eines dualen Ausbildungsberufs teilnehmen darf ohne zuvor eine duale Berufsausbildung (vollständig) durchlaufen zu haben. Bei erfolgreicher Teilnahme wird ein staatlich anerkannter Abschluss im Ausbildungsberuf verliehen. Zur Zulassung sind entsprechende Nachweise über Berufserfahrung sowie ggf. die Teilnahme an Seminaren und Lehrgängen erforderlich. Dabei muss die Berufserfahrung in der Regel das Anderthalbfache der regulären Ausbildungszeit betragen. Die erforderliche Mindestzeit bei Berufen mit einer zweijährigen Ausbildungszeit beträgt daher drei Jahre, bei dreijährigen Berufen 4,5 Jahre.

Externenprüfung im Kurzüberblick
Leistungsniveau

anspruchsvoll, da die Vorbereitung der Prüfung eigenständiges Lernen erfordert

Anforderung an die zukünftige Tätigkeit

abgeschlossene Berufsausbildung

Aufwand / Kosten / Risiken

geringer zeitlicher Aufwand während der regulären Arbeitszeit, da das betriebliche Lernen im Vergleich zu einer TQ oder einer Umschulung gering ist

  • je nach Prüfungsvorbereitungszeit intensives theoretisches Lernen
  • bei eigenständiger Vorbereitung lediglich Prüfungsgebühren
  • bei Nutzung von Vorbereitungskursen zusätzliche Gebühren
  • Gefahr des Nichtbestehens der Prüfung durch eventuelle Fehleinschätzung des Prüfungsinhalts

4. Betriebliche Umschulung

Umschulungen sind dann gute Möglichkeiten für eine qualifizierte Beschäftigung, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter einen erlernten Beruf aufgrund von Einschränkungen, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen, nicht mehr ausüben kann. Eine Umschulung ist auch dann ein guter Weg, wenn ein Abschluss im aktuellen Beruf nicht verwertbar ist.

Für die Umschulung durchlaufen die betreffenden Personen eine verkürzte (duale) Berufsausbildung, die mit einer Prüfung vor der zuständigen Kammer endet. Meistens wird die Ausbildungszeit um ein Drittel gekürzt. Aus einer dreijährigen Ausbildung wird so zum Beispiel maximal eine zweijährige Umschulung.

Betriebliche Umschulung im Kurzüberblick
Leistungsniveau

Für Beschäftigte, die bereits über eine tätigkeitsfremde Berufsausbildung verfügen und eine zweite Ausbildung in verkürzter Zeit absolvieren können.

Anforderung an die zukünftige Tätigkeit

abgeschlossenen Berufsausbildung

Aufwand / Kosten / Risiken
  • geringerer zeitlicher Aufwand als eine Berufsausbildung
  • Prüfungsgebühren, evtl. Freistellungskosten

 

Zielvereinbarungen treffen - Kurs halten mit gemeinsamen Zielen

Haben Sie sich für eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter und für eine geeignete Aus- oder Weiterbildung entschieden, sollten Sie gemeinsam konkrete Ziele definieren. Werden im Voraus keine klaren Ziele festgelegt, besteht die Gefahr, dass der Teilnehmer oder die Teilnehmerin sich während der Qualifizierung nur berieseln lässt oder die Motivation verliert, dran zu bleiben. Außerdem lassen sich so im Nachhinein die Nachbereitung und Erfolgsmessung besser durchführen, da konkrete Anhaltspunkte zum Abgleich zur Verfügung stehen. Die Ziele sollten „SMART“ sein, wobei SMART für die Eigenschaften „spezifisch“, „messbar“, „attraktiv“, „realistisch“ und „terminiert“ (zeitlich einschätzbar) steht. Nur klare messbare Ziele lassen sich im Nachhinein überprüfen.

Unterstützungsangebote: Ein Schlüssel für den Erfolg

Für die meisten An- und Ungelernten spielt es eine Rolle, wie sich die Qualifizierungsmaßnahme mit ihren Lebensumständen vereinbaren lässt. Das betrifft sowohl die finanzielle als auch die persönliche Seite. Sie können Ihre Beschäftigten während der Qualifizierungsmaßnahme  vielfältig unterstützen:

·       Finanzierung der Qualifizierung und des Lebensunterhalts: Es ist möglich, die Zahlung eines festen Betrags zu vereinbaren und/oder einzelne anfallende Kosten wie Teilnahmegebühren oder Lehrmaterial übernehmen. Bei einer zeitlich begrenzten Freistellung, etwa zur Vorbereitung auf Prüfungen, können Sie das Gehalt voll oder teilweise weiterzahlen. Außerdem ist es möglich, einen Teil der Finanzierung vom Erfolg der Maßnahme abhängig zu machen. Für besonders gute Leistungen und/oder erfolgreich bestandene Prüfungen können Sie Prämienzahlungen vereinbaren oder eine Gehaltserhöhung in Aussicht stellen.

·       Nutzung des Programms WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen): Gefördert werden in erster Linie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die keinen oder keinen verwertbaren Berufsabschluss haben. Die Maßnahme muss dann zu einem anerkannten Berufsabschluss führen. Darüber hinaus werden insbesondere KMU und ältere Beschäftigte in KMU gefördert. Je nach Förderanspruch erhalten Maßnahmenteilnehmer eine (Teil-) Übernahme der Lehrgangskosten sowie einen Zuschuss zu den übrigen Weiterbildungskosten (z. B. Fahrtkosten). Es besteht auch die Möglichkeit, Ihnen als Arbeitgeber einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt zu gewähren. Ansprechpartner für die Förderung WeGebAU sind die lokalen Arbeitsagenturen. Nähere Informationen finden Sie auf der entsprechenden Seite der BA.

·       Arbeitszeit und Qualifizierung vereinbaren: Sie können Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten, indem Sie ein weitgehend flexibles Arbeitszeitmodell anbieten. Zusätzlich können Sie diverse Freistellungen für Präsenzveranstaltungen, Prüfungstermine und ggf. zur Prüfungsvorbereitung vereinbaren. Denkbar sind auch Telearbeitsphasen, soweit dies möglich ist.

·       Familie und Qualifizierung vereinbaren: Besondere Verantwortung tragen vor allem Beschäftigte mit Kindern oder jene, die Familienangehörige pflegen. Um auch dieser Zielgruppe die Möglichkeit einer Weiterbildung zu bieten, können Sie neben flexiblen Arbeitszeitmodellen konkrete Angebote zur Vereinbarung von Familie und Beruf in Erwägung ziehen.

·       Sprachkenntnisse verbessern: Sollte die Muttersprache Ihres zu qualifizierenden Mitarbeiters bzw. Ihrer zu qualifizierenden Mitarbeiterin nicht Deutsch sein, kann die Vermittlung von Sprachkursen mit berufsbezogenem Wortschatz sehr hilfreich sein. Eine Übersicht über die zahlreichen Möglichkeiten finden Sie in unserer Onlinehandlungsempfehlung zur berufsbezogenen Sprachförderung 

 

    Weiterführende Informationen

    Zukunftsstarter: Das Programm „Zukunftsstarter“ wurde für die nachträgliche Berufsausbildung junger Arbeit-nehmerinnen und Arbeitnehmer ab 25 konzipiert. Es unterstützt dabei nicht nur die jungen Menschen, sondern auch die Unternehmen. Auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit fin-den Sie genauere Informationen zum Programm und wie auch Sie Teil der Initiative werden können.

    Informationen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bietet Ihnen als Arbeitgeber Informationen und Möglichkeiten, wie sie verschiedene Gruppen An- und Ungelernter erreichen, einstellen und weiterbilden können und welche Förderprogramme Ihnen dabei zur Verfügung stehen.

     

     

     

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