Internationale Studierende

Internationale Studierende an deutschen Hochschulen: Fachkräfte für internationale Märkte

Sie sind schon im Land und möchten gern bleiben. Sie sprechen Deutsch und blicken über die Grenzen: Internationale Studierende sind insbesondere dann eine interessante Zielgruppe, wenn Sie internationale Fachkräfte suchen – oder auf diesem Weg Ihr Unternehmen internationaler aufstellen wollen.

Fast 80 Prozent der internationalen Studierenden möchten in Deutschland bleiben, so eine aktuelle Untersuchung des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Wie bei allen Nachwuchskräften, die Sie von Hochschulen gewinnen wollen, gilt auch für internationale Studierende: Schon während des Studiums können sie beschäftigt werden. So können Sie sich ein Bild von den jungen Menschen machen und ihre Qualifikation und Leistungsfähigkeit einschätzen.

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Vorteile

Was spricht für internationale Studierende als Fachkräftenachwuchs?

  • Sprach- und Landeskenntnisse: Internationale Studierende haben in der Regel bereits gute Deutschkenntnisse und kennen Deutschland besser als jemand, der frisch im Ausland angeworben wurde und hierher kommt. Oft sind internationale Studierende auch bereits gut integriert und mit der deutschen Kultur vertraut.
  • Bekannte Abschlüsse: Die an deutschen Hochschulen vergebenen Abschlüsse sind Ihnen in der Regel vertrauter als die von ausländischen Hochschulen. Sie können daher besser einschätzen, welche Qualifikationen Ihre künftige internationale Fachkraft mitbringt. Weiterer Vorteil: Anerkennungsverfahren entfallen.
  • Bewusste Entscheidung für Deutschland: Die internationalen Studierenden, die nach dem Studium in Deutschland leben und arbeiten wollen, wissen, wofür sie sich entscheiden. Sie können daher davon ausgehen, dass sie längerfristig hier bleiben wollen.
  • Botschafter für internationale Märkte: Sie profitieren bei internationalen Studierenden an deutschen Hochschulen von deren Kenntnis ihres Heimatlandes, das für Ihr Geschäft mit internationalen Kunden wichtig sein kann.
  • Mehr Vielfalt: Sie fördern die Vielfalt und Internationalität Ihrer Belegschaft und tragen zur Steigerung der Kreativität und Innovationskraft bei, weil sie andere Sichtweisen einbringen können. Das gesamte Unternehmen gewinnt an interkultureller Kompetenz.

Ausführlichere Informationen zu den Vorteilen interkultureller Belegschaften finden Sie in der Handlungsempfehlung Rekrutierung internationaler Fachkräfte.

Rekrutierung

Die passenden internationalen Studierenden finden
Diese Handlungsempfehlung bezieht sich auf folgende zwei Gruppen:

  • die Studierenden in den von Ihnen benötigten Fachrichtungen

und

  • die Absolventinnen und Absolventen.

Beide Gruppen können ein erhebliches Potenzial für Ihr Unternehmen darstellen. Wie bei jeder Einstellung sollten Sie planvoll vorgehen. Informationen zur Personalbedarfsplanung und zur Rekrutierung allgemein finden Sie in den jeweiligen Handlungsempfehlungen.

  • Internationale Studierende dürfen – je nach Herkunftsland – in gewissem Umfang während des Studiums arbeiten. Für die Beschäftigungsmöglichkeiten von Studierenden über Praktika oder Werkverträge, mit Abschlussarbeiten oder als Doktoranden finden Sie nützliche Hinweise in der Handlungsempfehlung Studierende rekrutieren.
  • Internationale Absolventinnen und Absolventen von einer deutschen Hochschule können Sie zum Beispiel über Stellenausschreibungen oder Messeauftritte für einen Direkteinstieg oder ein Traineeprogramm in Ihrem Unternehmen gewinnen. Auch hier können Sie sich am Vorgehen für deutsche Absolventinnen und Absolventen orientieren. Detaillierte Informationen finden Sie in der Handlungsempfehlung Rekrutierung von Fachkräften und Traineeprogramme. Hier finden Sie weitere Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen einer Arbeitsaufnahme in Deutschland.

Die besonderen Rekrutierungswege
Selbstverständlich können Sie auch für das Rekrutieren internationaler Studierender die in Ihrem Unternehmen üblichen Kanäle nutzen. Eine Übersicht über mögliche Rekrutierungskanäle finden Sie in der Handlungsempfehlung Fachkräfte rekrutieren. Zusätzlich eignen sich für die Ansprache dieser Zielgruppe besonders diese Wege:

  • International Office der Hochschulen (Akademisches Auslandsamt): Die zentrale Betreuungsorganisation für internationale Studierende ist an den meisten Hochschulen das International Office bzw. akademische Auslandsamt. Häufig haben die Hochschulen auch eigene „Welcome Center“ für ihre ausländischen Studierenden. Beide bieten verschiedene Beratungs- und Informationsangebote für internationale Studierende in allen Lebenslagen an. Häufig werden sie dabei auch bei der Suche nach Praktika und offenen Stellen unterstützt. Eine weitere Kontaktmöglichkeit kann sich über die Career Center der Hochschulen eröffnen. Wie Sie hierbei vorgehen können, erfahren Sie in der Handlungsempfehlung Hochschulkooperation.
  • Hochschulgruppen nach Herkunft: Dieser Rekrutierungsweg ist für Sie besonders dann interessant, wenn Sie sehr gezielt nach einer Fachkraft aus einem bestimmten Land oder einer Region suchen. Diese Gemeinschaften können kulturell, sprachlich oder religiös geprägt sein und engagieren sich häufig auch bei der beruflichen Orientierung. Bei der Kontaktaufnahme zu diesen Gemeinschaften können Ihnen häufig das örtliche Studentenwerk, der „Allgemeine Studierendenausschuss“ (AStA) oder die Fachschaften (Vertretungen der Studierenden einer Fakultät) von Fakultäten helfen.
  • Internationale Studierendenorganisationen: Internationale Studierendenorganisationen wie AEGEE (Association des Etats Généraux des Etudiants de L’Europe) oder AIESEC (Association Internationale des Etudiants en Science Economique et Commercials) fördern den internationalen Austausch von Studierenden. Viele Organisationen bieten eigene Partnerprogramme für Unternehmen an und haben ein breites Netzwerk an Kontakten. So können Sie als Unternehmen direkt Kontakt zu einer Vielzahl an interessanten internationalen Studierenden aufnehmen.

Rechtliche Hinweise

Arbeitserlaubnis, Blaue Karte und andere rechtlichen Rahmenbedingungen
Je nachdem, ob Sie internationale Studierende oder Absolventinnen und Absolventen beschäftigen möchten, unterliegen diese unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen.

Internationale Studierende
Sie können internationale Studierende wie die deutschen beschäftigen, mit Praktika, Werkverträgen, mit Abschlussarbeiten oder als Doktoranden. Eine angemessene Vergütung der Tätigkeit ist für diese Zielgruppe besonders wichtig, sollte aber für alle möglich sein. Siehe auch: Handlungsempfehlung Studierende rekrutieren.

Bei der Einstellung und Beschäftigung internationaler Studierender von einer deutschen Hochschule sind diese rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten. Sie richten sich vor allem nach der Herkunft (Stand März 2013):

  • Europäische Union, Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz: Internationale Studierende aus den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum sind in der Regel nicht in ihrer Tätigkeitsdauer eingeschränkt.
  • Studierende aus weiteren Staaten: Menschen aus diesen Ländern, die zum Studium nach Deutschland gekommen sind und noch keine dauerhafte Niederlassungserlaubnis besitzen, dürfen ohne besondere Genehmigung pro Jahr 120 ganze oder 240 halbe Tage arbeiten. 

Bei einer darüber hinausgehenden Beschäftigungsdauer kann eine gesonderte Zulassung durch die Ausländerbehörde (bei Neu-EU-Mitgliedsstaaten wie Rumänien oder Bulgarien durch die Bundesagentur für Arbeit) beantragt werden.

Bei der Berechnung der Arbeitsdauer spielt es keine Rolle, ob die Arbeit vergütet wird. Pflicht-Praktika im Rahmen des Studiums fließen nicht in die Berechnung ein.

Aktuelle Informationen zur Thematik finden Sie auf der Website des Deutschen Studentenwerks e. V. 

Internationale Hochschulabsolventinnen und -absolventen
Bei der Einstellung einer internationalen Fachkraft, die an einer deutschen Hochschule studiert hat, gelten im Prinzip dieselben Vorschriften wie für internationale Fachkräfte, die direkt aus dem Ausland zu Ihnen kommen. Auch hier gilt: EU-Bürgerinnen und -Bürger sowie die ihnen Gleichgestellten aus Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz genießen Freizügigkeit. Sie können sofort eine Arbeit aufnehmen.

Diejenigen, die nicht aus der EU oder dem Europäischen Wirtschaftsraum kommen, unterliegen besonderen Regelungen.

Ein wichtiger Unterschied zwischen internationalen Absolventinnen und Absolventen von deutschen Hochschulen gegenüber internationalen Fachkräften ist, dass die ehemaligen ausländischen Studierenden nach ihrem Examen von der Ausländerbehörde einen Aufenthaltstitel für 18 Monate erhalten können, um sich hier eine ihrem Abschluss entsprechende Arbeitsstelle zu suchen. In dieser Zeit dürfen sie jede Tätigkeit aufnehmen, um ihren Lebensunterhalt sicherzustellen.

Für Absolventinnen und Absolventen von außerhalb der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums bestehen zwei Möglichkeiten, in Deutschland eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zu bekommen (Stand März 2013):

  1. Blaue Karte EU: Voraussetzung für eine Erteilung durch die Ausländerbehörde ist ein konkretes Arbeitsplatzangebot, das der akademischen Qualifikation angemessen ist. Zudem muss ein bestimmter Bruttomindestverdienst gesichert sein. Die Höhe richtet sich nach der Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung und ändert sich daher jährlich. Weitere Informationen und die aktuellen Gehaltsgrenzen finden Sie unter Die Blaue Karte. Beim Vorliegen guter deutscher Sprachkenntnisse können Inhaber einer Blauen Karte bereits nach 21-monatiger Beschäftigung eine Niederlassungserlaubnis beantragen. Damit darf Ihre Fachkraft dauerhaft in Deutschland leben und arbeiten.
  2. Aufenthaltserlaubnis zum Zwecke der Beschäftigung: Ein Antrag kann bei der Ausländerbehörde gestellt werden. Voraussetzung ist ein konkretes Arbeitsplatzangebot für eine der akademischen Qualifikation angemessenen Tätigkeit. Der Lebensunterhalt muss von der Akademikerin bzw. dem Akademiker selbst bestreitbar sein. Die Prüfung erfolgt durch die Bundesagentur für Arbeit. Ein Mindestverdienst wird nicht vorausgesetzt. Dieser Aufenthaltstitel beinhaltet also keine Gehaltsschwelle. Es dauert aber in der Regel länger, bis über diesen Weg eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis erteilt werden kann.

Wichtig ist, den entsprechenden Antrag rechtzeitig vor Aufnahme der Arbeitstätigkeit zu stellen. Für die Bewilligung sind einige Angaben seitens Ihres Unternehmens notwendig. In der Regel wird ein Entwurf des Arbeitsvertrags mit einer Tätigkeitsbeschreibung und den Beschäftigungsbedingungen wie zum Gehalt und Urlaub benötigt.

Mehr Informationen zur rechtlichen Lage enthält das offizielle Onlineportal Make it in Germany - ein gemeinsames Projekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und der Bundesagentur für Arbeit im Rahmen der Fachkräfte-Offensive. Mit dem interaktiven Migrations-Check auf der Website der Bundesagentur für Arbeit können Sie zudem selbst testen, ob eine internationale Bewerberin oder ein Bewerber unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen bei Ihnen eine Beschäftigung aufnehmen kann.

Gelungene Integration – der Schlüssel zu dauerhaften Bindung
Auch wenn Ihr internationaler Fachkräftenachwuchs von einer deutschen Hochschule kommt, schon gut deutsch spricht und integriert ist, sollten Sie der Integration in Ihr Unternehmen – wie bei allen neuen Teammitgliedern - Aufmerksamkeit schenken. Denn Studieren ist das eine, Arbeiten etwas anderes. Vielleicht müssen die spezifischen Sprachkenntnisse ausgebaut werden, vielleicht ist die Arbeitsaufnahme mit einem Ortswechsel verbunden.

Je besser es in den ersten Wochen und Monaten gelingt, die neue Fachkraft in Ihr Unternehmen zu integrieren, desto eher baut die Fachkraft eine enge Bindung zum Unternehmen auf und bleibt Ihnen lange erhalten. Nutzen Sie die Hinweise und Empfehlungen aus der Handlungsempfehlung Willkommenskultur.

Weiterführende Informationen

Links

  • Make it in Germany: Das offizielle Onlineportal des Bundeswirtschaftsministeriums richtet sich in erster Linie an Zuwanderungsinteressierte und an Menschen, die neu in Deutschland sind. Es zeigt u. a., welche Möglichkeiten für internationale Studierende bestehen, nach ihrem Abschluss in Deutschland zu bleiben (zur Webseite)
  • studienwahl.de: Über das Portal der Bundesagentur für Arbeit und der Kultusministerkonferenz können Unternehmen unentgeltlich Praktikumsplätze anbieten und sich über weitere Online-Praktikantenbörsen informieren (zur Webseite)

Literatur

  • Deutscher Akademischer Austauschdienst (2012): Wissenschaft weltoffen - Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland, Abruf 3.4.13 (zum PDF)
  • KFW Bankengruppe (2012): Akzente - das Potenzial ausländischer Hochschulabsolventen (zum PDF)
  • Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (2012): Mobile Talente? Ein Vergleich der Bleibeabsichten internationaler Studierender in fünf Staaten der Europäischen Union, Abruf 3.4.13 (zum PDF)

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