Karrierepotenziale von Frauen

Ungenutzte Potenziale für das Unternehmen erschließen

Viele Unternehmen können durch die Besetzung von Schlüsselstellen mit weiblichen Talenten ihre Arbeitgeberattraktivität steigern. Familiengerechte Rahmenbedingungen, Förderung von „weiblichen“ Karrieren sowie ein Kulturwandel können Frauen den Weg in höhere Führungsfunktionen ebnen. Gleichzeitig binden Sie gut qualifizierte und leistungsstarke Frauen an Ihr Unternehmen.

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Vorteile

Mädchen schaffen häufiger das Abitur und insgesamt höhere Schulabschlüsse als Jungen. Junge Frauen schließen inzwischen öfter ein Studium erfolgreich ab als junge Männer. Und eine zunehmende Zahl an Frauen absolviert eine Aufstiegsfortbildung als Meisterin, Technikerin oder Fachwirtin, auch wenn hier vor allem in den technischen Berufen nach wie vor deutlich mehr männliche Absolventen zu verzeichnen sind.

Damit stehen Unternehmen viele Potenziale zur Verfügung – auch für die Besetzung von Führungspositionen. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen Frauen den Weg ebnen, können Sie sich viele Vorteile sichern:

  • ein größeres Angebot an qualifizierten Fachkräften: Wenn Sie Ihre Personalpolitik stärker auf Frauen ausrichten, stehen Ihnen mehr potenzielle Fachkräfte zur Auswahl.
  • einen größeren Talentpool für Führungspositionen: Bieten Sie Ihren weiblichen Nachwuchskräften bei entsprechender Eignung frühzeitig eine attraktive Führungslaufbahn an, können Sie Ihren Talentpool vergrößern.
  • mehr Innovationskraft und Kreativität durch Vielfalt: Frauen haben auf viele Themen eine andere Sichtweise als Männer. Und Vielfalt schafft Innovation und Wettbewerbsvorteile.
  • Erschließen weiblicher Märkte: Die meisten Kunden sind Kundinnen. Frauen verstehen weibliche Bedürfnisse besser und helfen Ihnen so, weibliche Märkte besser zu bedienen.
  • ein besseres Arbeitgeberimage: Ein Unternehmen mit chancengleichen Karrierestrukturen macht sich attraktiv für Frauen, aber auch für Männer, Kunden und andere Zielgruppen.

Zunächst empfiehlt es sich, dass Sie Ihre Personalarbeit auf den Prüfstand stellen: 

  • In welchen Bereichen, Qualifikations- oder Hierarchiestufen sind Frauen unterrepräsentiert?
  • Ist Ihr Rekrutierungsverfahren sensibel in Bezug auf Frauen?
  • Kommen Ihre Maßnahmen der Mitarbeiterbindung von Frauen entgegen?
  • Wie sieht es mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Ihrem Unternehmen aus?

Auf die Analyse folgt Ihre Zieldefinition, die auf Maßnahmen in den folgenden vier Bereichen abstellt:

Förderung

Die Weichen für eine Karriere werden früh gestellt. Daher sollten Sie die Nachwuchskräfte entsprechend fördern, die für eine Führungs- oder Fachlaufbahn geeignet sind. Ein guter Zeitpunkt, um über das berufliche Fortkommen zu sprechen, ist beispielsweise der Abschluss einer dualen Berufsausbildung oder eines Traineeprogramms. Gemeinsam sollten Sie die weitere Laufbahn planen.

Die Karriere in Mitarbeitergesprächen gemeinsam voranbringen
Egal, welchen Weg Sie Ihren leistungsstarken und ehrgeizigen Frauen im Unternehmen ebnen wollen – Sie sollten sich regelmäßig über den Fortgang der Karriere unterhalten und die nächsten Schritte gemeinsam planen. Der passende Rahmen dafür sind regelmäßige Mitarbeitergespräche

Führungskompetenz mit Mentoring und Coaching entwickeln
Führungskompetenzen lassen sich besonders gut interaktiv entwickeln: 

  • Mentoring: Die angehende Führungskraft wird von einer erfahrenen Führungskraft Ihres Unternehmens über einen längeren Zeitraum begleitet. Dafür empfiehlt sich eine Mentorin aus Ihrem Betrieb, die bereits seit mehreren Jahren erfolgreich eine Führungsposition innehat. Von den „weiblichen“ Erfahrungen, die die Mentorin auf dem Weg zu ihrer eigenen Führungsposition gesammelt hat, kann die Mentee lernen. Die Mentorin steht ihr mit Rat und Tat im Alltagsgeschäft zur Seite. Gibt es keine potenziellen Mentorinnen in Ihrem Betrieb, können Sie mit weiblichen Führungskräften aus befreundeten Unternehmen kooperieren.
  • Coaching: Der zentrale Unterschied zum Mentoring besteht darin, dass der Coach von außen kommt, also die internen Regeln und Netzwerke im Unternehmen nicht kennt, dafür aber professionelles methodisches Know-how mitbringt. Auch hier bietet sich als Coach eine Frau an, die ihre „weibliche“ Sicht und Erfahrungen einbringt.

Familie und Karriere

Die Vereinbarkeit von Familie und Karriere ist für viele talentierte junge Frauen der ausschlaggebende Punkt für ihre Karriereentwicklung. Können Sie in Ihrem Unternehmen an dieser Stelle punkten, haben Sie bereits das Fundament  dafür gelegt, dass eine Karriere in Ihrem Unternehmen für diese Frauen erstrebenswert wird. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat viele Facetten: Beispielsweise geht es um Kinderbetreuung, die Sie als Unternehmen vielfältig unterstützen können und  die Ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigert , Auch während der Elternzeit können Sie Mütter begleiten, an ihrer Karriere zu arbeiten. Vielleicht können Sie ja sogar Weiterbildungen in diese Zeit legen oder eine Teilzeitbeschäftigung anbieten. Familiäre Verpflichtungen gehen auch von Pflegefällen aus, die in der Regel plötzlich auftreten. Dann sollte sehr schnell eine für alle tragbare Lösung gefunden werden.Insgesamt gilt: Sie müssen nicht die gesamte Klaviatur an möglichen Maßnahmen bespielen. Suchen Sie sich die heraus, die zu den Bedürfnissen und Interessen Ihrer Beschäftigten passen.„Erzieherin, Haushaltsmanagerin, Führungskraft“: In der Elternzeit oder während der Pflege eines Familienangehörigen entwickeln Frauen soziale Kompetenzen, die nutzbringend für Ihr Unternehmen sein können. Bewerten Sie eine zeitweilige Unterbrechung der beruflichen Laufbahn daher nicht als Nachteil, sondern sehen Sie darin die Chancen für Ihr Unternehmen.

Flexible Arbeitszeiten ermöglichen
Fast immer laufen Lösungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten hinaus. Viele Frauen in der Familienphase wünschen sich beispielsweise Teilzeitlösungen, verzichten damit meist aber auch auf ein berufliches Fortkommen. Doch auch Führungskräfte können in Teilzeit arbeiten  oder sich einen Arbeitsplatz mit einer Kollegin oder einem Kollegen teilen.

In vielen Unternehmen können Aufgaben an jedem Schreibtisch erledigt werden, egal wo er steht. Teleheimarbeit ist für Frauen mit Familienpflichten eine Möglichkeit, Karriere zu machen, ohne die Familie zu vernachlässigen.

Folgende Arbeitszeitregelungen können helfen, die Karrieren von Frauen voranzutreiben:

  • Minimale Kernarbeitszeit, die genügend Spielraum für die Bedürfnisse der Beschäftigten lässt
  • Individuelle Abstimmung der Arbeitszeiten mit anderen „Taktgebern“ für Familien (wie Öffnungszeiten von Kindergärten oder Schulen)
  • Berücksichtigung familiärer Verpflichtungen bei Terminen (beispielsweise Meetings bevorzugt während der Kita-Betreuungszeit)
  • Arbeitszeitkonten, auf denen die Beschäftigten Zeitguthaben ansparen und später durch Freizeit ausgleichen oder finanziell vergütet bekommen können
  • Freistellungsmöglichkeiten aus familiären Gründen, beispielsweise für die Pflege von Angehörigen

Rekrutierung

Die geschlechtsneutrale Formulierung des Stellenangebots ist gesetzlich verankert. Um Frauen gezielt anzusprechen, sollten Sie in Ihrem Personalmarketing, also in Stellenanzeigen oder auf Ihrer Webseite, außerdem stets betonen, dass Frauen in Ihrem Unternehmen gleiche Chancen haben. Nutzen Sie Fotos in Ihren Stellenangeboten, kann eine Abbildung von weiblichen Beschäftigten diesen Punkt unterstreichen. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, möglicherweise sogar ein entsprechendes Zertifikat sind wichtige Argumente für die Bewerbung von Frauen. Zwei Zielgruppen versprechen besonderen Rekrutierungserfolg: Wiedereinsteigerinnen und Partnerinnen und Partner Ihrer Fachkräfte.

Frauen, die nach der Familienphase wieder in den Beruf einsteigen möchten, bringen vieles mit, was Sie vielleicht händeringend suchen: Sie sind oft gut qualifiziert, hoch motiviert und zuverlässig. Um diese Zielgruppe für Ihr Unternehmen zu gewinnen, helfen geeignete Rahmenbedingen wie flexible Arbeitszeiten, zielgerichtete Weiterbildungen und weitere Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Halten Sie Kontakt während der Eltern- oder Pflegezeit. Dann fällt den Frauen der Wiedereinstieg leichter. Die Möglichkeiten reichen von Information bis hin zu begrenzter Mitarbeit, beispielsweise in einem Projekt oder in Teilzeit.

Eine weitere Möglichkeit, um sich einen Vorsprung bei der Rekrutierung weiblicher Fach- und Führungskräfte zu verschaffen, besteht in Dual Career-Angeboten. Dahinter verbirgt sich der Ansatz, auch dem Partner bzw. der Partnerin eine Position mit Perspektive in Ihrem oder einem benachbarten Unternehmen anzubieten. Mit einem solchen Einsatz drücken Sie deutlich aus, wie stark Sie an der Bindung der Fachkraft interessiert sind.

Weiterführende Informationen

  • Bundesverband der Personalmanager (zur Webseite)
  • Deutscher Bildungsservers für Weiterbildungskurse (zur Webseite)
  • Online-Datenbank der Bundesagentur für Arbeit (zur Webseite)
  • Datenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (zur Webseite)
  • Praxishandbuch – Dual Career (zum PDF)
  • Lotsenportal Perspektive Wiedereinstieg (zur Webseite)
  • Initiative „Frauen unternehmen“ – Flyer „Berufswunsch: Unternehmerin“ (zum Flyer)

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