Kosten und Nutzen der dualen Ausbildung

Die betriebliche Ausbildung bedeutet für engagierte Unternehmen einen großen Aufwand. Gleichzeitig bringt sie ihnen jedoch einen hohen Nutzen, wenn ausgebildete Fachkräfte dem Unternehmen auch nach ihrem Abschluss erhalten bleiben. Was verbirgt sich hinter den Kosten und Erträgen, wie hoch sind diese und was stellt für Unternehmen einen Anreiz dar, Ausbildungsplätze anzubieten?

Die Ausbildung junger Fachkräfte ist für die meisten Unternehmen zunächst mit Kosten verbunden und stellt somit eine Investition in die Zukunft dar. Durchschnittlich liegen die Bruttokosten je Auszubildenden bei 17.933 Euro im Jahr. Gleichzeitig tragen die Auszubildenden jedoch durch ihren Arbeitseinsatz auch zur Wertschöpfung des Unternehmens bei. Die generierten Erträge belaufen sich auf 12.535 Euro, sodass die jährlichen Nettokosten bei durchschnittlich 5.398 Euro je Auszubildenden liegen.

Was kosten und erwirtschaften Auszubildende ihren Betrieben?

Bruttokosten, Erträge und Nettokosten pro Auszubildendem und Jahr (in Euro)

Quelle: Jansen et al., 2015, Ausbildung in Deutschland weiterhin investitionsorientiert – Ergebnisse der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung 2012/13, BIBB Report 1/2015, Bonn

Weit über die Hälfte der Bruttokosten (62 %) entfallen mit etwa 11.000 Euro auf Personalkosten der Auszubildenden. Knapp ein Viertel (23 %) auf die Kosten für Ausbilderinnen und Ausbilder. Den Rest machen Anlage- und Sachkosten (10 %), beispielsweise für die Bereitstellung von Arbeitsplätzen und Werkzeugen, sowie sonstige Kosten (5 %), wie Kammergebühren aus.

Mehr als die Hälfte entfallen auf Personalkosten

Aufteilung der Bruttokosten pro Auszubildendem und Jahr nach Kostenarten (in Euro)

Quelle: Jansen et al., 2015, Ausbildung in Deutschland weiterhin investitionsorientiert – Ergebnisse der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung 2012/13, BIBB Report 1/2015, Bonn

Mit der Betriebsgröße steigen sowohl die Bruttokosten als auch die Erträge an. Für kleine Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten fallen die geringsten Bruttokosten (15.911 Euro), jedoch auch die geringsten Erträge an (10.807 Euro). Auszubildende in großen Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten weisen mit 21.757 Euro deutlich höhere Bruttokosten auf, ihre Erträge liegen jedoch auch bei 14.403 Euro. Ebenso steigen auch die Nettokosten mit der Unternehmensgröße an, wobei Unternehmen mit zehn bis 49 Beschäftigten mit 4.254 Euro die geringsten durchschnittlichen Kosten haben. Ein Grund hierfür kann sein, dass vor allem große Unternehmen Lehrwerkstätten in der Ausbildung einsetzen, welche höhere Kosten mit sich bringen.

Erträge und Kosten steigen mit der Unternehmensgröße

Bruttokosten, Erträge und Nettokosten je Auszubildendem und Jahr, nach Betriebsgrößenklassen (in Euro)

Quelle: Jansen et al., 2015, Ausbildung in Deutschland weiterhin investitionsorientiert – Ergebnisse der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung 2012/13, BIBB Report 1/2015, Bonn

Die Höhe der Ausbildungskosten und -erträge unterscheidet sich deutlich nach Unternehmensgröße, der Art der Ausbildung und der Berufsgruppe. Was durch die dargestellten Durchschnittswerte nicht deutlich wird: Teilweise übersteigen die Erträge der Auszubildenden sogar die Bruttokosten, sodass bereits während der Ausbildung Gewinne generiert werden. Dies trifft auf knapp drei von zehn Auszubildenden zu.

Vor allem in Industrie und Handel sowie im öffentlichen Dienst sind die Bruttokosten, aber auch die Nettokosten je Auszubildenden am höchsten. Die geringsten Brutto- und Nettokosten weisen Auszubildende in der Landwirtschaft auf. Auch Auszubildende im Handwerk und in freien Berufen erzeugen relativ geringe Nettokosten.

Wird nach Berufsgruppen unterschieden, zeigt sich, dass vor allem technische Berufe mit relativ geringen Erträgen und hohen Nettokosten verbunden sind. Eine Begründung hierfür ist, dass sich diese Berufe zumeist sehr komplex gestalten, weshalb die Produktivität der Auszubildenden zu Beginn gering ist. So befinden sich viele von ihnen zu Beginn der Tätigkeit in Lehrwerkstätten und arbeiten noch nicht innerhalb wertschöpfender Produktionsprozesse. Ebenso bedarf es einer teuren technischen Ausrüstung, was hohe Investitions- und Instandhaltungskosten mit sich bringt. In den gewerblichen und kaufmännischen Berufen fällt die Differenz zwischen Kosten und Erträgen deutlich geringer aus.

Hohe Kosten im öffentlichen Dienst und in Industrie und Handel

Bruttokosten, Erträge und Nettokosten je Auszubildendem und Jahr, nach Ausbildungsbereichen (in Euro)

Quelle: Jansen et al., 2015, Ausbildung in Deutschland weiterhin investitionsorientiert – Ergebnisse der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung 2012/13, BIBB Report 1/2015, Bonn

Trotz vorhandenen Nettokosten lohnt sich eine Ausbildung für die meisten Unternehmen dennoch, indem sie ihre Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss weiterbeschäftigen. Durch die Vermittlung von betriebsspezifischen Kenntnissen können Auszubildende ganz gezielt auf den späteren Einsatz im eigenen Unternehmen vorbereitet werden. Hinzu kommt der Aufbau eines persönlichen Vertrauensverhältnisses zwischen dem Team und der späteren Fachkraft. Ebenso kann der Bedarf an Fachkräften durch eine Übernahme der eigenen Ausgebildeten teilweise oder ganz gedeckt werden, somit macht sich das Unternehmen unabhängiger vom externen Arbeitsmarkt. Darüber hinaus entfällt für Unternehmen, die ihre Ausgebildeten weiterbeschäftigen, die teure Suche nach Fachkräften.

Geringe Erträge und hohe Kosten in technischen Berufen

Bruttokosten, Erträge und Nettokosten je Auszubildendem und Jahr, nach Berufsgruppen (in Euro)

Quelle: Jansen et al., 2015, Ausbildung in Deutschland weiterhin investitionsorientiert – Ergebnisse der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung 2012/13, BIBB Report 1/2015, Bonn

8.714 Euro pro Stelle werden im Schnitt bei der Suche, Einstellung und Einarbeitung neuen Personals benötigt. Somit können Unternehmen allein durch die Übernahme von Auszubildenden einen Großteil der Nettoausbildungskosten ausgleichen, die sich bei drei Ausbildungsjahren auf durchschnittlich rund 16.200 Euro summieren. Insbesondere die Einarbeitungskosten, wozu Minderleistungen während der Einarbeitungszeit und Personalkosten der Einarbeitung zählen, fallen mit mehr als 7.000 Euro besonders ins Gewicht.

Einarbeitungskosten fallen stark ins Gewicht

Personalgewinnungskosten je neue Fachkraft nach Kostenarten (in Euro)

Quelle: Jansen et al., 2015, Ausbildung in Deutschland weiterhin investitionsorientiert – Ergebnisse der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung 2012/13, BIBB Report 1/2015, Bonn

Die Höhe der Personalgewinnungskosten hängt genauso wie die Ausbildungskosten von der Unternehmensgröße ab und davon, ob es sich um ein ausbildendes oder nicht-ausbildendes Unternehmen handelt. Mit der Größe des Unternehmens steigen auch die Kosten. Im Vergleich zu kleinen Unternehmen (weniger als zehn Beschäftigte) mit Personalgewinnungskosten von 7.605 Euro, investieren große Unternehmen (mehr als 500 Beschäftigte) mehr als das Doppelte in Personalgewinnungskosten (16.458 Euro), indem sie beispielsweise eine eigene Personalabteilung unterhalten und vermehrt in Marketing investieren.

Unternehmensgröße und Ausbildungsaktivität beeinflusst die Höhe der Personalgewinnungskosten

Personalgewinnungskosten je neue Fachkraft nach Unternehmensgröße (in Euro)

Quelle: Jansen et al., 2015, Ausbildung in Deutschland weiterhin investitionsorientiert – Ergebnisse der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung 2012/13, BIBB Report 1/2015, Bonn

Zudem sind die Kosten der Personalgewinnung in ausbildenden Unternehmen deutlich geringer als in nicht-ausbildenden. Betriebe, welche ausbildungsaktiv sind haben durchschnittliche Personalgewinnungskosten von 9.382 Euro, wohingegen Unternehmen die dies nicht sind, durchschnittlich 8.166 Euro je neuem Mitarbeiter investieren.

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