Beschäftigte mit Behinderung

Fakten für die Inklusion

Ende 2013 lebten etwa 10,2 Millionen Menschen mit einer anerkannten Behinderung in Deutschland, darunter befanden sich 7,5 Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung.  Zwischen 2009 und 2013 stieg die Zahl der Menschen mit Behinderung um knapp 600.000 Menschen an. Durch den demografischen Wandel und den zunehmenden Anteil älterer Menschen in unserer Gesellschaft ist es wahrscheinlich, dass der Anteil von Menschen mit einer Behinderung auch weiterhin steigen wird. Denn die meisten Behinderungen werden erst im Laufe eines Erwerbslebens durch eine Krankheit oder einen Unfall hervorgerufen: Nur 1,2 Prozent aller Menschen unter 15 Jahren haben eine Schwerbehinderung, aber 15,8 Prozent aller Menschen zwischen 60 und 64 Jahren. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen offen mit einer psychischen Behinderung, wie einer chronischen Depression oder einer bipolaren Störung, umgehen. Hierdurch steigen auch in jüngeren Altersgruppen die Anteile von Menschen mit einer dokumentierten Behinderung.

Bereits heute stellen Menschen mit Behinderung ein großes Fachkräftepotenzial dar, das auch für die Zukunft noch gestärkt werden kann: In der Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen waren 2013 57,6 Prozent aller Menschen mit einer Schwerbehinderung erwerbstätig. Zum Vergleich: In der gesamten Bevölkerung waren zum gleichen Zeitpunkt fast 83 Prozent derselben Altersgruppe erwerbstätig. Dieser Unterschied in der Erwerbstätigkeit lässt sich nicht mit einer vermeintlich fehlenden Qualifikation von Menschen mit Behinderung erklären. So besaßen 2013 fast 56 Prozent im Alter von 25 bis 44 Jahren und knapp 77 Prozent derjenigen im Alter von 45 bis 64 Jahren einen beruflichen oder akademischen Abschluss.

Neue Fachkräfte gewinnen

Für Sie als Unternehmen können Menschen mit Behinderung bei der Suche nach Auszubildenden, Fachkräften oder Führungskräften eine interessante Zielgruppe sein. Wie Sie bei der Rekrutierung dieser Zielgruppe am besten vorgehen, zeigt Ihnen die KOFA-Handlungsempfehlung „Rekrutierung von Menschen mit Behinderung“. Neben Informationen zur gezielten Ansprache von Menschen mit Behinderung in Stellenanzeigen enthält die Handlungsempfehlung auch Hinweise, was Sie bei der Einstellung beachten müssen und welche staatlichen Fördermöglichkeiten für die betriebliche Integration existieren. Dabei bringen Menschen mit Behinderung großes Potenzial mit: Der Anteil an gut qualifizierten Fachkräften ist bei Arbeitslosen mit einer Schwerbehinderung höher als bei Arbeitslosen ohne Behinderung. Insgesamt verfügten im Jahresdurchschnitt 2015 54 Prozent aller schwerbehinderten Arbeitslosen über eine abgeschlossene Berufsausbildung, weitere 5 Prozent über einen Hochschulabschluss. Bei der Suche nach geeigneten Fachkräften helfen Ihnen die Agenturen für Arbeit und die örtlichen Integrationsfachdienste. Haben Sie Bedarf an Akademikerinnen und Akademikern, können Sie sich auch an die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit wenden. Und möchten Sie Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger mit dem frischen Wissen aus einer dualen Berufsausbildung gewinnen, sind die Berufsbildungswerke ein interessanter Ansprechpartner für Sie. In diesen Bildungseinrichtungen absolvieren Menschen mit Behinderung in Kooperation mit Unternehmen eine duale Berufsausbildung in über 200 anerkannten Ausbildungsberufen.

Auch An- und Ungelernte mit Behinderung können mit ihrer Tatkraft für Ihren Betrieb interessant sein. In Werkstätten für Menschen mit Behinderung arbeiten über 300.000 Menschen, die Sie durch das Angebot von ausgelagerten Arbeitsplätzen in Ihrem Betrieb unverbindlich kennenlernen und bei Erfolg übernehmen können.

Auch eine betriebliche Ausbildung kann ein guter Weg sein, Menschen mit Behinderung für Ihr Unternehmen zu gewinnen. Jeder vierte ausbildungsaktive Betrieb hat in den letzten fünf Jahren Menschen mit Behinderung ausgebildet. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Zielgruppe ist nicht unbedingt klein: Jedes Jahr verlassen knapp 50.000 Jugendliche mit sonderpädagogischen Förderbedarf die allgemeinbildenden Schulen. Und gerade in Zeiten kleiner werdender Ausbildungsjahrgänge zählt jede und jeder Jugendliche.

Jugendliche mit einer Lernbehinderung oder einer körperlichen Behinderung sind besonders häufig unter den Auszubildenden zu finden. Wenn Sie erste Erfahrungen in der Ausbildung von jungen Menschen mit Behinderung gewinnen möchten, kann sich auch eine Kooperation mit einem Berufsbildungswerk anbieten oder sie lernen einen jungen Menschen mit Behinderung über ein Langzeitpraktikum kennen. Mehr dazu wie, Sie Jugendliche mit Behinderung kontaktieren und passgenau ausbilden können, erfahren Sie in unserer Handlungsempfehlung „Ausbildung von Jugendlichen mit Behinderung“.

Die Arbeitskraft im Unternehmen sichern durch moderne Unterstützung

Die meisten Menschen stehen schon lange fest im Berufsleben, bevor sie durch eine Krankheit oder einen Unfall eine Behinderung erwerben. Sie sind häufig fester Bestandteil Ihres Teams und haben jahrelang Berufserfahrung gesammelt. Für Sie als Unternehmen kann es daher entscheidend sein, diese erfahrenen Fach- und Führungskräfte auch nach Erwerb ihrer Behinderung im Betrieb zu halten. Denn mit entsprechender Unterstützung und richtiger Arbeitsplatzausstattung sind diese ebenso leistungsfähig wie Kolleginnen und Kollegen ohne Behinderung. Barrierefreie und ergonomisch ausgestattete Arbeitsplätze helfen sowohl Ihren Beschäftigten mit, als auch denen ohne Behinderung. Einen Arbeitsplatz barrierefrei zu gestalten, muss für Sie als Unternehmen weder mit hohen Kosten noch mit hohem Aufwand verbunden zu sein. Die örtlichen Integrationsämter können Sie bei der Gestaltung beraten und bei einer Umsetzung konkret begleiten. Mehr Informationen finden Sie in unserer Handlungsempfehlung „Wiedereingliederung nach Krankheit oder Unfall“.

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