An- und Ungelernte

Durch Weiterbildung Potenziale erschließen

7,4 Millionen Menschen im Alter von 25 bis 64 Jahren hatten im Jahr 2011 keinen berufsqualifizierenden Abschluss. Für Unternehmen bietet die Gruppe an- und ungelernter Personen aber dennoch Potenzial: Sie können sie weiterqualifizieren, um sie dann für anspruchsvollere Tätigkeiten einzusetzen. Denn tendenziell gilt, dass der Bedarf an Arbeitskräften für die Ausübung einfacher Tätigkeiten ab- und der Bedarf an qualifizierten Fachkräften stetig zunimmt.

Durch Training on the Job auch fit für anspruchsvolle Aufgaben

Zwei Drittel der Erwerbstätigen ohne berufsqualifizierenden Abschluss übernehmen erwartungsgemäß einfache Tätigkeiten. Ein Drittel arbeitet jedoch auch in Berufen, für die in der Regel ein Berufsabschluss notwendig ist. Mit anderen Worten: Sie haben während ihrer Erwerbstätigkeit die notwendigen Kompetenzen für anspruchsvollere Tätigkeiten erworben. Dennoch nehmen An- und Ungelernte viel seltener an betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen teil als Personen mit einem Berufsabschluss.
Dennoch ist die Nachqualifizierung An- und Ungelernter ein wichtiges Mittel, um Fachkräfteengpässen entgegen zu wirken. Viele Unternehmen nutzen diese Möglichkeit bereits: 43,3 Prozent aller Unternehmen in Deutschland bilden An- und Ungelernte weiter, um sie anschließend für qualifizierte Tätigkeiten einsetzen zu können. Zahlreiche Unternehmen berücksichtigen dies auch schon im Rekrutierungsprozess: So berichten 62 Prozent aller kleinen Unternehmen, die kürzlich An- und Ungelernte eingestellt haben, dass sie diese Personen gezielt eingestellt haben, um sie zu Fachkräften weiterzubilden. Von den mittleren Unternehmen gaben dies 60 Prozent an, von den großen 54 Prozent.

Weiterbildung: Viele Wege führen zum Ziel

Das Spektrum der Möglichkeiten zur Qualifizierung reicht von aufgabenbezogenen Schulungen bis zu mehrjährigen Maßnahmen. Unabhängig von der Beschäftigtenzahl bietet etwa ein Drittel der Unternehmen die Möglichkeit, berufsbegleitend Teilqualifikationen zu erwerben. Unternehmen profitieren von dieser Form der Qualifizierung, weil die Person passgenau die im Unternehmen benötigten Kompetenzen erlernt. Für die Beschäftigten bietet das sukzessive Erlernen von Teilqualifikationen einen guten Wiedereinstieg in das Lernen. Denn es handelt sich jeweils um zeitlich und inhaltlich überschaubare Maßnahmen, die in einem engen Bezug zur ausgeübten Tätigkeit stehen. Nicht wenige Unternehmen bieten an- und ungelernten Kräften sogar eine umfangreichere Qualifikation an: 10 bis 20 Prozent der Unternehmen eröffnen die Möglichkeit, sich schrittweise bis zum Berufsabschluss zu qualifizieren.

Auch Weiterbildungsanbieter haben Maßnahmen im Programm, die auf diese Zielgruppe zugeschnitten sind. Umfragen widerlegen zudem das gängige Vorurteil, An- und Ungelernte hätten eine geringere Lernbereitschaft: Nur 20 Prozent der befragten Unternehmen haben die Erfahrung gemacht, dass An- und Ungelernte weniger Interesse an Weiterbildung zeigen als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Berufsabschluss.

Junge Menschen im Übergangsbereich

Obwohl die Neuzugänge in den sogenannten Übergangsbereich seit einigen Jahren abnehmen, sind auch 2012 266.700 junge Menschen dort eingemündet. Im Übergangsbereich durchlaufen sie ein Bildungsprogramm zwischen allgemeinbildender Schule und Berufsleben. Diese Qualifizierungsmaßnahmen finden an Berufsschulen, bei privaten Bildungsträgern und/oder in Unternehmen statt. Dort können die jungen Menschen einen Haupt- oder Realschulabschluss nachholen oder berufliche Grundkenntnisse erwerben. Letzteres geschieht beispielsweise in Form des Berufsgrundbildungsjahrs und berufsvorbereitender Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit. Auch die Einstiegsqualifizierung zählt dazu: Während eines längeren Praktikums im Unternehmen können Sie die Jugendlichen kennenlernen. Kommt es im Anschluss zu einem Ausbildungsvertrag, so profitieren Sie als Unternehmen von  zukünftigen Fachkräften und die Jugendlichen haben  einen vollwertigen betrieblichen Ausbildungsplatz.

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