Mitarbeiterbefragung – oder das Streben nach Glück

„Ausgerechnet auf den Kicker-Tisch in unserem Eingangsbereich hat sich das Fernsehteam bei den Dreharbeiten gestürzt“, erzählt Personalchefin Miriam Seifert und lacht. „Dabei ist das doch längst kein Beispiel mehr für moderne Personalarbeit“. Die sepago GmbH ist im letzten Jahr in den Fokus der Medien gerückt. Die IT-Unternehmensberatung mit Niederlassungen in Köln, Hamburg und München hat Ende 2015 einen Benchmark-Wettbewerb gewonnen und darf sich seitdem mit dem Titel „Deutschlands bester Arbeitgeber“ schmücken. Manch ein Pressevertreter hat seit der Preisverleihung nach dem geheimen Erfolgsrezept des Unternehmens gesucht: Wie schafft es ein mittelständisches IT-Unternehmen, seinen Mitarbeitern mehr Zufriedenheit zu bescheren als die Konkurrenz?

Branche: Internet und Informationstechnologie | Standort: Köln, Hamburg, München | Beschäftigte: 80

Stand: 2016

Erfolgsrezept für glückliche Mitarbeiter?

„Kommen Sie mit, ich zeigen Ihnen alles“, sagt Seifert. In der Niederlassung in Köln-Kalk sieht es aus wie in den meisten Büros. Funktionale Möbel, Gemeinschaftsbüros für zwei bis drei Mitarbeiter. Es gibt einen Konferenzraum, einen großen Tisch, die Teeküche – vor allem aber sieht man kaum Mitarbeiter. „So ist es uns am Liebsten“, schmunzelt Seifert. „Im Idealfall sind unsere IT-Berater nur zweimal im Monat im Büro. Ansonsten arbeiten sie direkt beim Kunden.“

Starke Teams stellt man sich anders vor: präsent, geschlossen, in regem Austausch. Oder nicht? „Also zunächst einmal haben wir natürlich ganz unterschiedliche Kommunikationswege für den Kontakt unter den Mitarbeitern“, kontert Seifert. „Womit Sie aber Recht haben ist, dass wir durch die langen Abwesenheiten unserer Mitarbeiter mehr dafür tun müssen, die Stimmung einzufangen und eine gemeinsame Unternehmenskultur zu etablieren. Auch deshalb ist uns eine regelmäßige Mitarbeiterbefragung so wichtig.“

Mitarbeiterbefragung und Benchmarking

2010 hat die sepago GmbH ihre Mitarbeiter erstmals zu ihrem Wohlbefinden befragt. Das Unternehmen hatte gerade seinen achten Geburtstag gefeiert. Der Wettbewerb um gute IT-Fachkräfte war in vollem Gange. Ein Unternehmensberater brachte die Geschäftsführung auf die Idee, in Zahlen messbar zu machen, wie zufrieden die Mitarbeiter sind und wo das Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz steht. „Die Mitarbeiterbefragung und die Beteiligung an dem Benchmark-Wettbewerb hatten damals auch viel mit Sportsgeist zu tun“, sagt Seifert. „Unser Bauchgefühl hat uns gesagt: Wir machen vieles schon ganz richtig – aber valide Zahlen dazu hatten wir natürlich nicht.“

Und das Ergebnis? – Schon im ersten Jahr belegte die sepago GmbH den fünften Platz im Unternehmenswettbewerb. 2015 hat die Beraterfirma sämtliche Konkurrenten in Deutschland hinter sich gelassen und den ersten Platz belegt. Im europäischen Vergleich reichte es immerhin zu Platz 23. Zufriedene Mitarbeiter, werbewirksame Presseberichte, alle Ziele erreicht? „Natürlich ist das gute Feedback der Kollegen eine tolle Bestätigung für unsere Personalarbeit“, erklärt Miriam Seifert. „Aber es ist auch eine Verpflichtung ständig am Ball zu bleiben und Schwachstellen auszugleichen.“

„Luft nach oben“ ist immer

Wer Fragen stellt, erhält Antworten. Was banal klingt, mag bei sepago aber ein Mosaik-Steinchen zum Erfolg sein. Die Wünsche der Mitarbeiter verhallen nicht im Raum. Einmal im Jahr werden sie digital festgehalten. Sie werden zusammengefasst, nach Mitarbeitergruppen kategorisiert, mit den Vorjahreswerten verglichen. Sie erreichen die Geschäftsführung. Und sie werden der Belegschaft zurückgespiegelt. Das gilt für alle Ergebnisse – auch für die „schlechteren“.

„Die Mitarbeiter bei uns bemängeln die gleichen Dinge, die über die gesamte Branche hinweg sensibel sind“, gibt Seifert zu. „In der Vergangenheit ging es zum Beispiel um Fragen des Gehalts, um die technische Ausstattung im Unternehmen und um das Gesundheitsmanagement. Das sind Themen, an die wir immer wieder ran müssen.“

Verbesserungswünsche umsetzen

Nicht alle Wünsche, die in der Umfrage zum Ausdruck kommen, sind realisierbar. Wer als Dienstleister an marktübliche Tagessätze gebunden ist, kann das Gehalt seiner Berater nicht überproportional anheben. Möglich ist aber, Gehaltsstrukturen transparenter zu machen.

Die letzte Mitarbeiterbefragung bei Sepago ist gerade mal drei Wochen her. 88 Prozent der Mitarbeiter haben teilgenommen. Und schon bevor die neuen Zahlen auf dem Tisch liegen, hat Seifert sich ein Team aus Mitarbeitern aller Bereiche zusammengestellt, das unter ihrer Führung die Ergebnisse bewerten und personalpolitische Maßnahmen weiterentwickeln soll.

„Mini-Budgets“ für gemeinsamen Spaß

Wird es irgendwann nichts mehr zu verbessern geben, weil alle Mitarbeiter restlos zufrieden sind? – Vermutlich nicht. Was die langjährigen Erfahrungen von Frau Seifert aber zeigen, ist, dass es häufig die scheinbar „kleinen“ Veränderungen sind, die in der Belegschaft viel bewirken.

„Nachdem die Umfragen verdeutlicht haben, dass der informelle Austausch für unsere Mitarbeiter einen sehr hohen Stellenwert hat, haben wir Mini-Budgets eingeführt“, erzählt Seifert. „Jeder Mitarbeiter, der Lust dazu hat, kann eine Gemeinschaftsaktion planen und erhält hierfür 100 Euro.“

Auf einer großen Tafel über dem Konferenztisch sind die aktuellen Aktivitäten festgehalten: „Segeln“ stand im August auf dem Plan. „Kochen und genießen bei Johanna“ ist für Oktober angekündigt, ebenso wie ein „Fußballmatch“. Und im Dezember? – „Glühweintrinken.“ Für die Mitarbeiter sind das alles nur Einzelaktionen. Aber für die Geschäftsführung sind diese Maßnahmen Teil eines großen Ganzen. Sie sind Ausdruck einer gelebten Unternehmenskultur und der Bereitschaft, zum Wohle der Mitarbeiter immer „besser“ zu werden. Und vielleicht ist das ja Teil des Geheimrezeptes – um seine Mitarbeiter so glücklich wie möglich zu machen.

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