Praxisbeispiel: Wissenstransfer durch Lerntandems – KOFA

Wie die Wilhelm Lambrecht GmbH Erfahrungswissen im Betrieb sichert

Lernpartnerschaften bewahren das Unternehmen vor dem Verlust von wichtigem Erfahrungswissen. Bis zu sechs Monate arbeiten eine Nachwuchs- und  eine erfahrene Fachkraft eng zusammen, um den spezifischen Produktionsprozess zu vermitteln. Dabei werden Erfahrungen der älteren Fachkräfte aus bis zu 45 Jahren Betriebszugehörigkeit weitergegeben.

Branche: Meteorologische Messtechnik | Standort: Göttingen (Niedersachsen) | Beschäftigte: 49

Stand: 2014

Erfahrungswissen sichert das Geschäft mit historischen Messinstrumenten

Die Wilhelm Lambrecht GmbH fertigt seit 1859 klimatologische Messinstrumente. Die Produkte finden sich überall dort, wo Wind, Niederschlag oder Temperatur gemessen werden. Die heute gängige Produktionsweise ähnelt noch den Verfahren, die kurz nach dem zweiten Weltkrieg angewandt wurden. Die Erfahrung des Unternehmens: Aktuelle Ausbildungsgänge und Weiterbildungen vermitteln die benötigten Kompetenzen nicht mehr – zu selten werden diese Kompetenzen von der Wirtschaft nachgefragt, zu speziell sind die Produkte. Der anstehende Ruhestand einiger älterer Beschäftigter mit bis zu 45 Jahren Betriebszugehörigkeit bewog das Unternehmen, das Instrument der Lernpartnerschaften einzurichten.

Dirk Molthan, Geschäftsführer:

Durch Lernpartnerschaften war es uns möglich, firmen- und fachspezifisches Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Unsere traditionellen Produkte können so weiterhin produziert werden.

Heute arbeiten in den Lernpartnerschaften jeweils eine Nachwuchs- und eine erfahrene Fachkraft je nach Thema oder Anlass bis zu sechs Monate zusammen, damit die Erfahrungen an die jüngere Generation weitergegeben werden können. Sie bearbeiten Probleme oder Arbeitsaufgaben aus den Bereichen Produktion, Klempnerei, Lackiererei, Vertrieb, Zollabwicklung oder Softwareumstellung. Insgesamt wurden in der Wilhelm Lambrecht GmbH bislang drei solcher Lernpartnerschaften eingerichtet. Neben langfristigen Tandems werden aus aktuellen Anlässen wie Kundenreklamationen auch kürzere Lernpartnerschaften initiiert: Dann erarbeitet ein Tandem Verbesserungsvorschläge und mögliche Eingriffe in den Produktionsprozess.

Bei der Teamzusammensetzung wird auf die Wünsche der Betroffenen Rücksicht genommen. Dem sind jedoch Grenzen gesetzt: Kommt eine Nachwuchskraft in eine Abteilung, die rund zehn Beschäftigte umfasst, gibt es erfahrungsgemäß nicht mehr als zwei erfahrene Fachkräfte mit den gefragten Kompetenzen. Umso wichtiger ist die Kommunikation zwischen Führungs-, Nachwuchs- und erfahrener Fachkraft. Die Vorabgespräche für Lernpartnerschaften finden gemeinsam mit der jeweiligen Führungskraft statt. Diese informiert die künftigen Lernpartner über Sinn und Ziel der Lernpartnerschaften. Außerdem thematisiert die Führungskraft eventuelle Befürchtungen der Beteiligten und die jeweiligen individuellen Vorteile. Im Zentrum dieses Motivationsgesprächs steht dabei das gemeinsame Betriebswohl. Für die Nachwuchskraft sind außerdem eine schnelle Einarbeitung und Verantwortungsübernahme, für die erfahrene Fachkraft die Übernahme einer Expertenrolle schlagkräftige Argumente. Entstehen im Laufe der Lernpartnerschaft Konflikte, sucht die Führungskraft ebenfalls das persönliche Gespräch mit den Beteiligten. Das Unternehmen hat die Erfahrung gemacht, dass entstehende Reibungen meist im persönlichen Miteinander begründetet sind. Durch eine Mediation der Führungskraft sind diese meist schnell beizulegen.

Lernpartnerschaften verbessern die betriebliche Leistungsfähigkeit

Aus Lernpartnerschaften ziehen alle Beteiligten einen Nutzen: Jüngere Beschäftigte lernen viel von ihren älteren Kolleginnen und Kollegen, ältere Beschäftigte eignen sich aktuelles Wissen an und werden zur Wissensvermittlung ermutigt. Der Betrieb kann seine Kompetenz in der Bearbeitung komplexer Produkte erhalten. Darüber hinaus hat dieses Vorgehen positive Auswirkungen auf das Miteinander von Alt und Jung und stärkt den Teamgeist in der Belegschaft.

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