Praxisbeispiel: Menschen mit Behinderung beschäftigen

Inklusiv und innovativ: zukunftsfähig dank vielfältiger Belegschaft

50 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei RO/SE haben eine Behinderung. Seit über zehn Jahren übernimmt das bayrische Familienunternehmen soziale Verantwortung. Dabei verliert Geschäftsführer Josef Brunner die wirtschaftlichen Interessen nicht aus dem Auge: Die Fördergelder, die Brunner für sein Engagement erhält, investiert er gewinnbringend in barrierefreie Hightech-Anlagen. Eine Win-win-Situation für die Angestellten und den Betrieb.

Branche: Heizungsbau | Standort: Bad Birnbach (Bayern) | Beschäftigte: 28

Stand: 2016

Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit. Auch Josef Brunner, Geschäftsführer der RO/SE Blechverarbeitung GmbH & Co KG, hat diese Erfahrung gemacht. 2005 und 2010 musste er sich einen Gehirntumor entfernen lassen. Schon 2011 kehrte der Krebs zurück – die Ärzte verzichteten diesmal auf einen Eingriff. „Man kann mit dem Tumor leben“, erklärt Brunner heute.

Seine persönliche Krankheitsgeschichte hat Brunner geprägt. Und schon nach der ersten Operation fasste er einen Entschluss: Wenn ich jemals wieder arbeiten kann, engagiere ich mich für Menschen mit Behinderung. Brunner hat dieses Vorhaben wahr gemacht: Direkt nach dem Eingriff stellte er die ersten sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer körperlichen Beeinträchtigung ein. Heute haben fast 50 Prozent der Beschäftigten eine Behinderung. „Für uns macht es im Arbeitsalltag keinen Unterschied, ob ein Angestellter eine Behinderung hat oder nicht“, meint Brunner.

Was nach der Behindertenrechtskonvention der UN selbstverständlich sein sollte, ist bis heute in vielen Betrieben eine Ausnahme. Und so hat Brunner für sein besonderes Engagement eine ganze Reihe von Auszeichnungen erhalten. 2011 wurde ihm der Bayerische JobErfolg verliehen. 2013 durfte er den bundesweiten Inklusionspreis entgegen nehmen, für den Betriebe aus ganz Deutschland sich bewerben können.

Teamarbeit wird großgeschrieben

Josef Brunner ist in seinem Heimatort sozial engagiert. Er ist Marktrat und zugleich Behindertenbeauftragter in Bad Birnbach – vor allem aber ist er auch Geschäftsmann: 90.000 Kleinheizungen und 100.000 Thermostate und Hygrostate verlassen jährlich seinen Betrieb. Das Unternehmen pflegt Handelsbeziehungen in über 40 Länder – am häufigsten bestellen türkische Kunden bei dem bayrischen Familienbetrieb. „In unserer Branche muss man innovativ sein und immer neue Ideen haben“, erklärt Brunner das Erfolgsgeheimnis seines Unternehmens.

Um neue Ideen ging es letztlich auch bei der Frage, wie behinderte Mitarbeiter optimal in den Betriebsablauf integriert werden könnten. Das Unternehmen hat hierfür ein besonderes Konzept erarbeitet: Dabei arbeiten behinderte und nicht-behinderte Kolleginnen und Kollegen in kleinen Fertigungsteams eng zusammen. Wer welche Position im Team einnimmt, entscheiden allein Fähigkeit und Qualifikation.

Auch baulich hat Brunner in seinem Betrieb einiges verändert. Beim Bau einer neuen Halle vor einigen Jahren achtete er darauf, dass sämtliche Arbeitsplätze barrierefrei und behindertengerecht sind. Jeder Mitarbeiter kann so an jedem Arbeitsplatz arbeiten. „Alle Mitarbeiter können gleichermaßen flexibel eingesetzt werden und verschiedene Arbeiten durchführen“, sagt Brunner. Das steigere das Selbstwertgefühl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung und die Produktivität im Betrieb.

Fördergelder in die Zukunft investieren

Brunner hat sich für einen besonderen Weg in der Personalpolitik entschieden. Mittlerweile sucht er bei Neueinstellungen gezielt nach Menschen mit einer Behinderung. Die Arbeitsagentur ist hierbei ein wichtiger Partner. Aber auch das Integrationsamt unterstützt ihn. Zum Beispiel bei der Beantragung von Fördergeldern. Brunner setzt diese Gelder ein, um in die Zukunft zu investieren. Zum Beispiel durch die Anschaffung neuer Hightech-Maschinen, mit denen Angestellte mit und ohne Behinderung gleichermaßen präzise arbeiten können. Solche Maschinen dienen nicht nur Brunners besonderem Engagement – sie dienen vor allem einer qualitativ hochwertigen und innovativen Produktion.

Ein attraktiver Arbeitgeber

Nach über zehn Jahren Erfahrung mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Behinderung zieht Geschäftsführer Brunner eine durchweg positive Bilanz: „Viele Unternehmen vergessen, dass Menschen mit Behinderung genauso leistungsfähig sein können wie andere“, erklärt er. „Und man merkt schon, dass bei uns durch die Zusammenarbeit von Menschen mit und Menschen ohne Behinderung ein besonderer Teamgeist herrscht.“ Häufig empfehlen die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Unternehmen als potenziellen Arbeitgeber an Freunde und Bekannte weiter. Über Bewerbermangel kann sich Brunner daher nicht beklagen.

Zur Unternehmenswebseite

Links

  • Webseite des Inklusionspreises (zur Webseite)
  • Inklusionspreis 2013 - Auszeichnung RO/SE Blecherarbeitung (zur Webseite)
  • Webseite des Bayerischen Preis „JobErfolg2011“ (zur Webseite)
  • Video über die RO/SE Blechverarbeitung GmbH & Co. KG aus Anlass des „JobErfolg 2011“ (zum Video)

Mehr zu diesem Thema auf KOFA.de:

Menschen mit Behinderung

Sie suchen Fachkräfte? Nutzen Sie das Potential von Menschen mit Behinderung. Hier gibt’s Hinweise zur Rekrutierung von Menschen mit Behinderung. mehr

Wiedereingliederung

Wiedereingliederung nach Krankheit oder Unfall: Ein betriebliches Eingliederungsmanagement unterstützt Betroffene bei der Rückkehr ins Arbeitsleben. mehr

Ausbildung von Menschen mit Behinderung

Die Inklusion von Menschen mit Behinderung in der dualen Ausbildung ist ein Erfolgsmodell. Wie gelingt sie auch in Ihrem Unternehmen? mehr

Praxisbeispiel: Menschen mit Behinderung rekrutieren – KOFA

Die Reinert Kunststofftechnik GmbH & Co KG rekrutiert gezielt Menschen mit Behinderung. Die gemischten Teams fördern eine gute Arbeitsatmosphäre. mehr

Praxisbeispiel: Erfolgreiche Inklusion dank Inklusionshelfer – KOFA

Über die Inklusion eines blinden Bewerbers hat MBE eine kompetente Fachkraft gewonnen. Durch die enge Zusammenarbeit mit Inklusionsexperten räumte MBE viele Fragen schon vor Ausbildungsbeginn aus. mehr

Praxisbeispiel: Inklusion bei D. LaPorte – KOFA

Dass Inklusion in der Arbeitswelt gelingen kann, beweist das Wuppertaler Familienunternehmen D.La Porte. Mehrere Mitarbeiter aus der Produktion haben zuvor in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet. mehr

Beschäftigte mit Behinderung

Menschen mit Behinderung stellen ein großes und derzeit oft ungenutztes Fachkräftepotenzial dar. Fakten zum Thema erhalten Sie hier. mehr

Januar 2013 - Menschen mit Behinderung

Thema des Monats: Erfahren Sie, welche Vorteile die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung für Ihr Unternehmen bringen kann. mehr

Kontakt und Rekrutierung

Sie möchten Menschen mit Behinderung gezielt als Bewerber in den Blick nehmen? Lesen Sie unsere Tipps zu den richtigen Kontakt- und Rekrutierungswegen. mehr

Feedback geben