Schafe für den Teamgeist

SBS bietet Azubis ein originelles Programm – und gewinnt sozial kompetente Fachkräfte

Die Schwarzwälder Metallverarbeitungsunternehmen zieht sich den Fachkräftenachwuchs nach den eigenen Vorstellungen heran. Betriebsschafe, Besuche bei krebskranken Kindern und vieles mehr formen sozial und fachlich kompetente Persönlichkeiten.

Branche: Metallverarbeitung/Feinmechanik | Standort: Schonach (Schwarzwald) | Beschäftigte: 440

Stand: 2015

Tiere lehren Verantwortung

„Fritz, komm!“ Kurz zögert Fritz. Dann rennt er zu Jessica Göpfert, um sein Maul in der roten Plastikschüssel mit Kraftfutter zu vergraben. „Anfangs haben viele Azubis Respekt: Die Tiere wiegen um die 70 Kilo, einige haben Hörner. Aber insgesamt stellen sich alle Azubis gut an“, sagt Jessica. Die 24-Jährige ist Schafsbeauftragte unter den 40 Auszubildenden der SBS Feintechnik und der KBS Spritztechnik im Schwarzwaldörtchen Schonach.

Fritz und sechs weitere Berg- und Waldschafe sind die ungewöhnlichsten Fachkräfte der Antriebstechnikspezialisten. Sie sind nicht nur energieeffiziente Rasenmäher des Firmengeländes, sondern stehen auch am Anfang vieler SBS-Karrieren. Ganz gleich, ob Ausmisten, Zäune reparieren, Scheren, Tierarztbesuch oder Einfangen ausgebüchster Tiere: Die Auszubildenden, die beim Projekt „Happy Sheep“ mitmachen, übernehmen die komplette Verantwortung – jeder der Teilnehmer für ein oder zwei Wochen im Jahr.

„Fachkräftemangel hatten wir schon immer“ 

Genau das ist das Ziel: „,Happy Sheep‘ ist ein schönes Projekt, mit dem wir unserem Nachwuchs zeigen können, was es heißt, rund um die Uhr Verantwortung zu übernehmen“, erklärt Personalchefin Silke Burger. Zusammen mit ihrem Mann Thomas Burger, der das 440-Mitarbeiter-Unternehmen in sechster Generation führt, geht sie beim Thema Fachkräftesicherung immer wieder neue Wege. Als das Wort Fachkräftemangel vor einigen Jahren aufkam, habe sie sich gefragt: „Was haben die plötzlich alle? Fachkräftemangel hatten wir in den mehr als 20 Jahren, die ich im Unternehmen bin, immer schon.“ Idyllische Natur hin oder her, Schonach im mittleren Schwarzwald war noch nie Magnet für junge Berufseinsteiger. So beschlossen die Burgers, als Arbeitgeber selbst zum Magneten zu werden und gleichzeitig den Fachkräftenachwuchs nach den eigenen Vorstellungen heranzuziehen.

Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit, Teamgeist – solche Sozialkompetenzen hat Silke Burger nicht nur mit den Schafen im Sinn, sondern auch, wenn sie den nächsten Azubi-Workshop plant – vor Kurzem war ein Referent zu Besuch, der das Bewusstsein der jungen SBSler im Umgang mit neuen Medien geschärft hat. Oder das Projekt „Wunderfitze“, bei dem die Auszubildenden mit einem Technikmobil Kinder in der Krebsnachsorgeklinik besuchen. Und dann wären da noch das jährliche Wälderfest, das anstehende Outdoor-Event, das nächste Fußballturnier …

Silke Burger, Personalleiterin

Durch unsere Projekte lernen die Auszubildenden, Verantwortung zu übernehmen. Für mich gehört das zum Start ins Berufsleben dazu, denn das ist, was wir brauchen: Mitarbeiter, die mitdenken.

Bewerberzahl hat sich verdoppelt

Martin Kirner spannt einen Metallzylinder in die Fräsmaschine, der einmal Teil eines Staubsaugergetriebes sein wird. Die Programmvielfalt war für ihn einer der Gründe, eine Ausbildung bei SBS anzustreben. „Ich habe auf der Internetseite und von Leuten, die hier arbeiten, erfahren, dass das Unternehmen sehr viel für Azubis macht.“ Der 18-Jährige lernt seit einem Jahr Industriemechaniker und weiß inzwischen auch durch den Vergleich mit Azubis anderer Unternehmen, wie viel SBS bietet. Für ihn stärkt das vor allem den Zusammenhalt: „Hier funktioniert das Teambuilding sehr gut. Jeder weiß: Wo es Probleme gibt, hilft man einander.“

Das ist nicht nur eine Entlastung für die Ausbilder; das gute Klima unter den Azubis spricht sich herum in der Region. „Die Bewerberzahlen haben sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. 2013 hatten wir beispielsweise deutlich mehr als 100 Bewerbungen“, sagt Ausbildungsleiter Christian Kosch. Und manch einer, der mit 15, 16 Jahren in den Betrieb komme, sei mit 18 schon ein gutes Stück zuverlässiger und verantwortungsbewusster. „Sie fragen beispielsweise nicht lange, sondern helfen, wo gerade Not ist.“ Fritz, Özil, Frida und die anderen Azubi-Schafe machen ihren Job offenbar genau richtig.


Interview mit Personalchefin Silke Burger

Neben der fachlichen Ausbildung können Azubis bei Ihnen Ställe ausmisten oder mit Technikmobilen eine Krebsnachsorgeklinik für Kinder besuchen. Was ist das Ziel solcher Programme?

Es geht mir vor allem um den Aspekt Sozialkompetenz. Unsere Auszubildenden sollen zum Beispiel durch die Arbeit mit den Schafen lernen, Verantwortung zu übernehmen. Die Erfahrung zeigt, dass zwar alle von Verantwortung sprechen, aber kaum jemand sie in Realität tragen möchte.

Wie sind Sie auf die Idee mit den Schafen gekommen?

Ich habe mit unseren Azubis das Firmengelände bepflanzt. Einige haben mir gesagt, es sei ein tolles Gefühl, in der Natur zu arbeiten. Und ich habe mir gedacht: „Der Arme, der das alles mähen muss – da muss ein lebender Rasenmäher her.“ Ich habe dann einen Workshop aufgesetzt und die Azubis gefragt: „Wollt Ihr Schafe züchten?“ Das Ergebnis waren zunächst vier Schafe.

Wie macht sich Ihr Engagement über die rein fachliche Ausbildung hinaus bezahlt?

Was die jungen Menschen erleben, ob mit den Schafen, in der Klinik, in unseren Workshops oder bei gemeinsamem Outdoorevents, prägt sie in ihrer Selbstständigkeit und ihrer Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Das können wir schon daran sehen, wie sehr sie mitdenken und flexibel dort einspringen, wo sie gerade gebraucht werden. Für uns als Arbeitgeber sind das unbezahlbare Eigenschaften.

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