Praxisbeispiel: Menschen mit Behinderung rekrutieren

Die Reinert Kunststofftechnik GmbH & Co KG rekrutiert gezielt Beschäftigte mit Behinderung. Die gemischten Teams fördern eine gute Arbeitsatmosphäre, sind produktiv und tragen zum Image des Unternehmens als engagierter Arbeitgeber bei. Das international tätige Familienunternehmen mit Sitz in Bissingen an der Teck hat sich auf thermoplastische Kunststoffteile spezialisiert. Das Dienstleistungsspektrum des Unternehmens reicht von individuellen Einzelanfertigungen bis hin zu Komplettlösungen.

Branche: Kunststofftechnik | Standort: Bissingen a.d. Teck (Baden-Württemberg) | Beschäftigte: 135

Stand: 2012

Die Reinert Kunststofftechnik GmbH & Co KG rekrutiert gezielt Fachkräfte mit Behinderung

Als der Wirtschaftsingenieur Jürgen Hahn 1997 als neuer Geschäftsführer und Inhaber in das Unternehmen einstieg, war es für ihn ein zentrales Anliegen, auch Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Denn bereits seit 1987 engagiert er sich im Kirchheimer Aktionskreis für Menschen mit und ohne Behinderung. Diese Initiative führt Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen in der Freizeit zusammen und baut Vorurteile ab. Jürgen Hahn hat dieses Konzept auf sein Unternehmen übertragen und eine Atmosphäre geschaffen, in der Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam zum Unternehmenserfolg beitragen.
Für dieses herausragende Engagement wurde das Unternehmen mehrfach ausgezeichnet. 2012 erhielt es beispielsweise den „CSR Mittelstandspreis für soziale Verantwortung“ des Landes Baden-Württemberg.

Jürgen Hahn, Geschäftsführer:

Bei uns ist der Umgang mit Menschen mit Behinderung alltäglich. Sie kommen motiviert jeden Morgen durchs Firmentor und stehen ihren Mann in der Produktion und Montage.

Neue Zielgruppe: Fachkräfte mit Behinderung

Auf der Suche nach engagierten Menschen mit Behinderung nahm das Unternehmen zunächst Kontakt zum Integrationsfachdienst der Region auf. Als erste Maßnahme wurden Praktika im Unternehmen angeboten, um die Beschäftigungsmöglichkeiten zu testen. Schnell zeigte sich, dass Menschen mit Behinderung viele Tätigkeiten im Unternehmen übernehmen können und somit eine wertvolle Ressource für die Deckung des Arbeitskräftebedarfs darstellen. Daher entschloss sich das Unternehmen 2006, mit den Behindertenwerkstätten Esslingen-Kirchheim beim Thema Inklusion zusammen zu arbeiten.

Seit dieser Zeit arbeiten bei Reinert außer den direkt Beschäftigten mit Behinderung bis zu zehn Menschen mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung in einer Außenarbeitsgruppe der Behindertenwerkstatt. Ihr tägliches Arbeitsspektrum ist vielfältig und berücksichtigt die jeweiligen Vorlieben und Talente: Sie bedienen Maschinen, montieren und entgraten Kunststoffteile oder prüfen und versenden fertige Produkte. Dabei sind sie großenteils selbstständig und zuverlässig. Der Integrationsfachdienst berät und unterstützt das Unternehmen bei allen Fragen zur barrierefreien Arbeit.

Die enge Zusammenarbeit mit den Behindertenwerkstätten hat sich über die Jahre als vorteilhaft für alle Beteiligten erwiesen. Mittlerweile wurden mehrere Menschen mit Behinderung in den regulären Schichtbetrieb des Unternehmens übernommen. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Außenarbeitsgruppe fühlen sich als gleichwertiges Teammitglied. Jede Arbeitskraft - ob mit oder ohne Behinderung - wird gleich behandelt.

Für das Unternehmen gehört die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung inzwischen zum Alltag. Sie sind fest in den gesamten Produktionskreislauf integriert und werden im Team vollständig akzeptiert.

Ein Erfolg für alle Beteiligten

Die Erfahrungen des Unternehmens zeigen deutlich: Menschen mit Behinderung sind ein klarer Gewinn für die Unternehmenskultur: Ihre Mitmenschlichkeit und hohe Motivation überträgt sich auch auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Behinderung.

Mit der produktiven Arbeitsleistung seiner Angestellten mit Behinderung ist das Unternehmen sehr zufrieden. Sie können voll mithalten und tragen zur hohen Produktqualität des Unternehmens bei. Auch bei den Krankheitstagen gibt es im Vergleich zu den Kolleginnen und Kollegen ohne Behinderung keinen Unterschied. Das Unternehmen verfügt durch die Zusammenarbeit mit den Behindertenwerkstätten auch mittel- und langfristig über ein hohes Potential an engagierten Arbeitskräften.

Darüber hinaus hat das soziale Engagement zum positiven Image des Unternehmens als engagierter Arbeitgeber beigetragen und stellt einen echten Mehrwert in der Außenpräsentation dar. Die Reinert Kunststofftechnik GmbH & Co KG sieht diese Maßnahmen als Erfolgsmodell für sich und andere Unternehmen.

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  • CSR - Preisträgerfilm 2012: Reinert Kunststofftechnik GmbH & Co KG (zum Film)

Tipp

  • Sie suchen mehr Praxisbeispiele zum Thema? Das KOFA empfiehlt Ihnen das Video "D.LaPorte: So geht Inklusion" (zum Film)

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