Praxisbeispiel: Integration von Flüchtlingen im Familienbetrieb

Beschäftigung für Flüchtlinge in der Weissenfels GmbH

Herr Weissenfels, seit wann gibt es Ihre Werkstatt?
Dieter Weissenfels: Mein Vater hat das Unternehmen bereits in den 1950er Jahren gegründet. Damals war es eine kleine Werkstatt mit einer Handvoll Mitarbeiter. Ich habe das Geschäft dann 1989 übernommen. 2001 habe ich hier in Asbach neu gebaut und die Werkstatt erweitert.

Sie leiten die Geschäfte gemeinsam mit Ihrer Frau. Ihre Tochter arbeitet ebenfalls im Betrieb. Was macht ein Familienunternehmen Ihrer Meinung nach aus?
Dieter Weissenfels: In einem Familienunternehmen herrscht immer eine andere Atmosphäre als in einem Konzern. Wir kennen unsere Mitarbeiter ganz genau. Die meisten haben bei uns gelernt und wir sind stolz darauf, dass viele von ihnen schon sehr lange bei uns sind. Ich denke, in einem Familienbetrieb ist der persönliche Umgang viel intensiver als in anderen Unternehmen.

Sie haben geflüchtete Mitarbeiter angestellt. Wie kam es dazu?
Dieter Weissenfels: Anfang des Jahres hatten wir kurzfristig einen großen Industrieauftrag reinbekommen. Dazu brauchten wir neue Leute, die aber auf dem Arbeitsmarkt relativ schwierig zu finden sind. Konkret ging es darum, Autoteile zu waschen und zu verpacken.

Einer der Flüchtlinge, Bashdar Mina, stand eines Tages bei uns vor der Werkstatt und hat nach Arbeit gefragt – da habe ich die Gelegenheit ergriffen und ihm angeboten, dass er bei uns Probe arbeiten kann. Das hat von Anfang an gut geklappt und es war klar, dass wir ihn bei uns halten wollten. Einige Zeit später hat er seinen Freund Kamal Ali mitgebracht. Meine Frau und meine Tochter haben dann alle Formalitäten in Bezug auf die Anstellung geklärt. Seitdem sind die beiden bei uns.

War Ihr Eindruck von Anfang an positiv?
Dieter Weissenfels: Ja, absolut. Ich verlasse mich in solchen Situationen auch sehr auf mein Bauchgefühl. Wenn mir jemand vom ersten Eindruck sympathisch ist, habe ich keine Vorbehalte.

Ich denke, als Unternehmer muss man Dinge ausprobieren, sonst kommt man nicht weiter. Risiken gehören dazu – so ist da bei jeder Neueinstellung. Aber in diesem Fall war ich überhaupt nicht skeptisch.

Haben Sie Bashdar Mina und Kamal Ali bei der Belegschaft besonders angekündigt?
Dieter Weissenfels: Ich habe unserem Werkstattleiter gesagt, dass die beiden Neuen aus Syrien und dem Irak geflohen sind und dass wir die Zusammenarbeit jetzt einfach mal testen. Bashdar Mina sprach von Anfang an sehr gut Deutsch. Das hat die Kommunikation mit den anderen Kollegen einfach gemacht. Für seinen Freund hat er dann häufig gedolmetscht. Aber ich habe in meinem Team jetzt auch keine Vorbehalte oder Vorurteile bemerkt – das ging alles sehr problemlos.

Wie sehen Sie die Zukunft der neuen Mitarbeiter in Ihrem Betrieb?
Dieter Weissenfels: Wenn wir weiterhin Arbeit haben, werden sie bei uns bleiben – und zurzeit gehe ich fest davon aus.

Die beiden haben anfangs Autoteile nur abgewaschen und verpackt. Zurzeit übernehmen sie auch Schleifarbeiten, die hochwertiger sind. Sie sind sehr lernfähig. Ich denke, dass wir sie auch weiter fördern und entwickeln, dass sie am Ende vielleicht sogar ausgebildete Lackierer sind.

Der Sohn von Bashdar Mina hat sich auch schon bei Ihnen vorgestellt…
Dieter Weissenfels: Ja, das ist ein sehr netter, junger Mann. Zurzeit besucht er die 8. Klasse und macht einen sehr pfiffigen Eindruck. Er spricht schon ausgezeichnet Deutsch und möchte demnächst ein längeres Praktikum bei uns machen. Wer weiß, vielleicht ist das ja unser nächster Auszubildender.

Wir danken Dieter Weissenfels für das Gespräch.

Zur Unternehmenswebseite

Mehr zu diesem Thema auf KOFA.de:

Diversity Management

Steigern Sie Ihre Arbeitgeberattraktivität durch Diversity Management. Nutzen Sie das Potenzial einer vielfältigen Belegschaft. mehr

An- und Ungelernte weiterbilden

Um Fachkräftemangel vorzubeugen, genügt der Blick auf die eigenen Beschäftigten. Durch Fort-/ Weiterbildungen können Sie gezielt Mitarbeiter qualifizieren. mehr

Fördermaßnahmen in der Ausbildung

Für eine erfolgreiche Ausbildung ist manchmal Unterstützung nötig. Erfahren Sie mehr über öffentliche Fördermaßnahmen. mehr

Praxisbeispiel: Flüchtlinge im Handwerk – KOFA

Seit einem Jahr beschäftigt der Geschäftsführer der Segelmacherei Coastworxx eine syrische Familie, die in Damaskus eine Polsterei besessen hat. Das gemeinsame Handwerk als Näher verbindet neue und alte Mitarbeiter. mehr

Praxisbeispiel: Vermittlung durch Willkommenslotsen – KOFA

Die Iranerin Zahra Ravarizadeh (37) macht eine Ausbildung in einem Kölner Hotel – ein Willkommenslotse hat sie vermittelt. mehr

Praxisbeispiel: Was macht ein Willkommenslotse? – KOFA

Erhan Atici arbeitet seit September 2016 als Willkommenslotse bei der Handwerkskammer in Stuttgart. Welche Erfahrung er dabei macht, lesen Sie hier. mehr

Studie Regionale Fachkräftesituation und Mobilität

Die KOFA-Studie zeigt: Stellenbesetzungsprobleme sind in Deutschland mittlerweile ein flächendeckendes Problem. mehr

Interaktives Video: Flüchtlinge integrieren

Sie möchten Geflüchtete in Ihr Unternehmen integrieren und suchen nach Fördermöglichkeiten? Dieses videobasierte Informations-Angebot richtet sich an Personalverantwortliche. KOFA-Expertin Svenja Jambo informiert, wie Unternehmen von (staatlichen) Unterstützungsmöglichkeiten profitieren können. mehr

Fachkräfteengpässe in Deutschland

Interview mit Dr. Susanne Seyda, IW-Ökonomin im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. mehr

Lebensphasenorientierte Personalpolitik

Interview mit Dr. Andrea Hammermann, Personalökonomin im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. mehr

Rechtliche Fragen

Die Beschäftigung von Flüchtlingen ist mit verschiedenen Regelungen verbunden. Informieren Sie sich über die Rechtslage und Integration in den Arbeitsmarkt. mehr

Willkommenslotsen

Willkommenslotsen sollen Unternehmen und Flüchtlingen bei der Integration helfen. Welche Aufgaben die Lotsen übernehmen, erfahren Sie hier. mehr

Oktober 2015 - Flüchtlinge beschäftigen

Thema des Monats: Nehmen Sie das Potenzial von Asylbewerbern und Flüchtlingen in den Blick. mehr

Feedback geben