„Alle Jahre wieder“

Die Kunst, eine richtig gute Weihnachtsfeier zu organisieren

Vor dem Schokoladenmuseum in der Kölner Südstadt wird der Weihnachtsmarkt aufgebaut. Es regnet. Es ist November. Der Fahrradweg wird durch eine Hebebühne versperrt – Jemand klingelt genervt. Arbeiter hängen Lichterketten in die Bäume. Nächste Woche soll es hier schön aussehen. Glitzernd, zauberhaft, besinnlich, nach Weihnachten.

Tatjana Lajendäcker, zuständig für „Personal und Finanzen“ der Firma Railslove, arbeitet nur wenige Gehminuten von dem Weihnachtsmarkt entfernt. Und im Geiste übernimmt die 38jährige heute eine ganz ähnliche Aufgabe wie die Arbeiter auf der Hebebühne. Alle Jahre wieder knipst sie in der Firma Railslove das Weihnachtslicht an. Sie sorgt für Weihnachtsstimmung. Für einen besonderen Tag im stressigen Endjahresgeschäft eines Startups. Mit zwei Kolleginnen ist sie das „Weihnachtsfeier-Planungskomitee“.

Freiwillige als Weihnachtsfest-Komitee

„Eine tolle Weihnachtsfeier ist uns persönlich einfach wichtig“, erklärt Lajendäcker. „Und deshalb hat unser Grüppchen vor ein paar Jahren freiwillig die Planung übernommen. Für die Geschäftsführung ist das mittlerweile ganz normal. Und ich glaube, es sind alle froh, dass wir uns drum kümmern.“

Liane Kirschner, Isabell Solberg und Tatjana Lajendäcker planen gemeinsam die Weihnachtsfeier.

Die Firma Railslove entwickelt Web-Anwendungen, vorwiegend für Finanzdienstleister. Das Startup muss sich im Projektgeschäft immer wieder auf neue Anforderungen einstellen. Doch die Organisation der Weihnachtsfeier verläuft nun schon seit Jahren nach dem gleichen Muster: Die Geschäftsführer Jan Kus und Tim Schneider übernehmen die Kosten für das Fest. Das Komitee darf während seiner Arbeitszeit planen – alle Mitarbeiter werden für einen ganzen Tag des unbeschwerten Feierns freigestellt. Was genau an dem Tag passiert, ist bis zum Beginn der Feier streng geheim. „Das wissen nur wir“, sagt Lajendäcker.

Tatjana Lajendäcker, Isabell Solberg und Liane Kirschner sind nicht nur Arbeitskolleginnen. Sie sind auch Freundinnen. Sie planen die Feier so, wie sie ihnen gefällt. „Das läuft alles ziemlich intuitiv ab“, erklärt Solberg. „Wir verbringen im Arbeitsalltag viel Zeit mit den Kollegen. Wir wissen, was sie mögen. Und das versuchen wir an dem Tag umzusetzen.“

„Geschenk an die Mitarbeiter“

Für eine gelungene Weihnachtsfeier braucht es keinen wissenschaftlichen Überbau – das würde auch Karlheinz Ruckriegel, Professor für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Glücksforschung an der Technischen Hochschule Nürnberg unterschreiben. „Aber Weihnachtsfeiern sind ein wichtiges Mittel, um Anerkennung und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern zum Ausdruck zu bringen“, erklärt Ruckriegel. „Sie können für das Betriebsklima eine entscheidende Rolle spielen – dieses Potenzial sollten auch Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer von kleinen oder mittleren Unternehmen nutzen.“

Zwangloses Miteinander, angeregte Gespräche, dankbare Mitarbeiter – wer als Geschäftsführer in Punkto Weihnachtsfeier diese Bilder im Kopf hat, hat in den letzten Jahren vieles richtig gemacht. Es gibt auch andere Assoziationen: Peinliche Auftritte, langatmige Reden, unschöne Alkoholexzesse. „Die wichtigste Regel, um als Geschäftsführer eine schöne Feier zu ermöglichen, ist, dass man das Fest als Geschenk an die Mitarbeiter versteht“, sagt Ruckriegel. „Bei einem Geschenk ist es ja so, dass man sich am meisten freut, wenn man merkt, dass das Gegenüber sich wirklich Gedanken über das Geschenk gemacht hat – und so ist es bei Weihnachtsfeiern auch.“

Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel, Professor für Volkswirtschaft an der Technischen Hochschule Nürnberg

Eine Weihnachtsfeier ist ein Geschenk für die Mitarbeiter. Geschenke sind umso wertvoller, je mehr Gedanken man sich darüber macht.

Weihnachtsfeier als besonderes Highlight

Die gleiche Location? Das gleiche Essen? Die gleichen Reden? – Glaubt man dem Glücksforscher ist das für ein gelungenes Fest keine gute Strategie. „Eine 0-8-15-Veranstaltung, die jedes Jahr gleich abläuft und die die Mitarbeiter als Verlängerung ihrer Dienstzeit ansehen, sollte man besser lassen“, sagt Ruckriegel. „Das sorgt im Zweifelsfall eher für schlechte Stimmung.“

Bei aller Euphorie und Vorweihnachtsfreude sollte man bei der Planung aber nicht vergessen, dass eine offizielle Betriebsfeier auch etwas kostet, in kleinen Unternehmen im Schnitt 50 Euro pro Mitarbeiter, wie Studien zeigen.

Und wie macht es Railslove? – „Es ist jetzt nicht so, dass wir jedes Jahr das gleiche Budget haben“, erklärt Lajendäcker. „Wir gehen bei der Planung auch andersrum vor: Wir überlegen uns, wie wir den Tag gestalten möchten und stimmen die Kosten dann mit der Geschäftsführung ab. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man berücksichtigt, was in der jeweiligen wirtschaftlichen Situation angemessen ist und was nicht.“

Tradition bei der Firma Railslove: Der selbst geschlagene Weihnachtsbaum

Lajendäcker, Solberg und Kirschner fangen jedes Jahr im Herbst an, Ideen zu sammeln. Nur der erste Programmpunkt des „Weihnachts-Tages“ ist eine bewusste Tradition und läuft deshalb immer gleich ab: „Wir fahren zu einem nahegelegenen Gutshof, um dort einen Weihnachtsbaum für unser Büro zu schlagen“, erzählt Solberg. „Wenn es morgens nass und kalt und der Boden matschig ist, hat man da eigentlich gar keine Lust zu – aber wenn wir dann alle gemeinsam ,unseren‘ Weihnachtsbaum geschlagen haben, ist die Stimmung einfach gut.“ Und was passiert dann? – Eigentlich ist das noch streng geheim. Aber ein paar Informationen kann das „Planungs-Komitee“ Ende November schon verraten.

Reise in die Firmen-Vergangenheit

Eine „Schnitzeljagd“ durch die Stadt soll es in diesem Jahr geben – zu Orten, die mit der sechsjährigen Firmengeschichte der Firma Railslove verbunden sind. „Wir sind seit der Firmengründung drei Mal innerhalb von Köln umgezogen und haben auch sonst als Firma schon eine ganze Menge in dieser Stadt erlebt“, erklärt Lajendäcker. „Im letzten Jahr sind ziemlich viele neue Mitarbeiter dazu gekommen. Mit der Schnitzeljagd wollen wir ihnen auch zeigen, wo wir als Firma herkommen und was uns geprägt hat.“

Wissenschaftler wie Karlheinz-Ruckriegel würden in so einem Statement vielleicht den Beweis sehen, dass Weihnachtsfeiern Ausdruck einer gelebten Firmenkultur sind. Dass sie der „Mitarbeiterbindung“ dienen und dem „Employer-Branding“. Lajendäcker, Solberg und Kirschner freuen sich vor allem auf einen besonderen Tag: „Die Teams müssen auf jeden Fall die Möglichkeit haben, die Schnitzeljagd zu unterbrechen und zwischendurch einen Glühwein zu trinken“, sagt Lajendäcker. Und da kommt wieder der Weihnachtsmarkt am Schokoladenmuseum um die Ecke ins Spiel: Am Abend werden Hebebühne und Arbeiter verschwunden sein. Schon nächste Woche werden die Lichterketten leuchten – und die „Railslove-Weihnachts-Rallye“ kann starten.

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Und Sie?

Wie feiert Ihr Unternehmen in diesem Jahr Weihnachten? Welche Aktionen kamen in den vergangenen Jahren besonders gut an? – Schicken Sie uns Ihre Ideen für eine tolle Betriebsfeier (gerne mit Fotos) an fachkraefte[at]iwkoeln.de und inspirieren Sie andere KMU. Alle Einsendungen werden auf unserer Internetseite veröffentlicht.

Fünf Tipps für die perfekte Weihnachtsfeier

von Tatjana Lajendäcker, Leiterin „Personal und Finanzen“ der Firma Railslove

  1. Ein gutes Vorbereitungs-Team: Ich finde es schön, wenn die Weihnachtsfeier von den Mitarbeitern selbst geplant wird. Die Geschäftsführung muss die Planung natürlich mittragen – aber Mitarbeiter wissen einfach am besten, welche Art der Feier zu ihnen und dem Unternehmen passt.
  2. Ein Fest für Mitarbeiter und Freunde: Alle Mitarbeiter müssen bei der Weihnachtsfeier auf ihre Kosten kommen. Wir feiern einen ganzen Tag und haben so die Zeit, abends noch Menschen einzuladen, die freundschaftlich mit der Firma verbunden sind. Für uns ist das eine schöne Möglichkeit, die Feier ungezwungen zu erweitern.
  3. Computerverbot: Railslove ist ein IT-Unternehmen. Die Kollegen sitzen viel vor dem Computer. In den letzten Jahren hatten wir immer wieder Kollegen, die das auch während der Weihnachtsfeier einfach nicht lassen konnten. In diesem Jahr haben wir ein „Rechnerverbot“.
  4. Keine Zahlen auf der Weihnachtsfeier: In den ersten Jahren hat die Geschäftsführung den Tag der Weihnachtsfeier genutzt, um alle Kollegen über die aktuellen Geschäftszahlen und die Jahresbilanz zu informieren. Das machen wir nicht mehr. Stattdessen gibt es dafür einen gesonderten Termin. Die Weihnachtsfeier soll einfach nur Spaß machen.
  5. Auch in Krisen-Jahren feiern: Vor zwei Jahren ging es dem Unternehmen wirtschaftlich nicht so gut. Wir haben das Fest dann etwas kleiner gehalten und in unseren eigenen Büroräumen gefeiert. Ich finde es wichtig, auch in solchen Situationen gemeinsam Zeit zu verbringen – natürlich muss das Ganze in einem angemessenen finanziellen Rahmen stattfinden.

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